Verbrenner

Die Zukunft ist elektrisch oder: Was ist der gebrauchte Verbrenner dann noch wert?

Elektroauto oder Verbrenner: Auf welche Technologie soll man setzen, wenn der Umbruch naht?

War früher alles besser, wie so mancher behauptet? Das ist doch sehr zu bezweifeln. Nahezu alle Rahmenbedingungen rund um den Menschen haben sich verbessert: durchschnittliche Lebenserwartung, medizinische Versorgung, Einkommen, Kindersterblichkeit, um nur einige zu nennen. Ewiggestrige verwechseln da bisweilen die Begrifflichkeiten und meinen eigentlich, dass früher vieles einfacher war. Doch auch daran kann man zweifeln, denkt man nur an Information, Kommunikation, Mobilität et cetera.

Nein, früher hatte man einfach nicht so viel Auswahl, musste nicht so viele Entscheidungen treffen, unterlag gesellschaftlichen und familiären Zwängen, konnte vieles gar nicht selbstständig entscheiden. Das ist heute anders. Seit den 68ern haben die Freiheiten des Individuums stetig zugenommen – und damit die Wahlmöglichkeiten. Und die können schon überfordern. Man denke nur an den Kauf eines Autos.

Unzählige Fragen statt schneller Entscheidungen

Das beginnt heute schon bei der Frage, ob man überhaupt eines benötigt – insbesondere in Großstädten. Und wenn ja begibt man nicht mehr einfach zum Händler seines Vertrauens und der von ihm vertretenen Marke. Und wählt vielleicht noch die Fahrzeuggröße und Benziner (Wenigfahrer) oder Diesel (Vielfahrer) – fertig. Das war einmal.

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Kann man den Verbrenner in zehn Jahren noch gut verkaufen? Foto: pixabay

Heute hingegen gilt es, zunächst unzählige Fragen zu beantworten, bevor man Modelle überhaupt näher ins Auge fasst. Angefangen bei der Marke (ist VW wegen deren Abgasbetrügereien noch kaufbar?) über das Für und Wider zwischen Verbrennern und E-Antrieben (und da: Hybrid, Plug-in-Hybrid, Elektro?). Es kommen Fragen nach Abgaswerten (nein, der Diesel ist nicht immer unterlegen – siehe Norm 6d-TEMP), Preisen (und Preisdifferenzen), Reichweiten, Restwerten und Wiederverkaufschancen, Lieferfristen, Umweltbilanzen (Produktion, Stromquellen). Die einstigen großen Variablen Fahrzeuggröße, Ausstattung und Farbe werden da zur Nebensache. Und letztlich sollte ja auch das Design überzeugen.

Das E-Auto hat in allen Bereichen aufgeholt

Das Grundproblem aber ist, dass die Welt sich immer schneller zu drehen scheint – und damit die Möglichkeit sicherer Prognosen schwindet. War vor einem Jahr der Benziner noch der klare Favorit und hatte in Sachen Preis, Reichweite, Modellvielfalt, Werthaltigkeit die Nase vorn, so hat das reine E-Auto (BEV) seitdem enorm aufgeholt. Mit Reichweiten von mehr als 400 Kilometern, immer verlässlicheren Daten zur Gesamt-Umweltbilanz, preisgünstigeren Modellen beziehungsweise höheren Zuschüssen und prognosefähigen Restwerten haben die Stromer jetzt schon enorm aufgeholt. Und ab dem kommenden Jahr wird sich auch die Modellvielfalt deutlich erweitern.

Bekomme ich in 10 Jahren ein Restwertproblem?

Was zu der Frage führt: Bekomme ich vielleicht mit einem heute gekauften Benziner in zehn Jahren ein Restwertproblem, weil keiner mehr die veraltete Technik haben will? Denn es wäre ja möglich, dass ein Akku dann problemlos 600 Kilometer schafft und in zehn Minuten geladen ist, dass es genügend Ladepunkte gibt, dass Städte für Verbrenner dicht gemacht haben und es eine Frist gibt, wie lange diese noch verkauft werden dürfen. Wer kauft sie dann also noch gebraucht?

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Hat der VW ID.3 das Potenzial, den Automarkt umzukrempeln? Foto: VW

Was auch für den (älteren) Stromer gilt. Ein Beispiel: VW hat nun die letzten E-Golf mit sehr hohen Rabatten abverkauft, und es soll vorgekommen sein, dass ein Händler das Restwertrisiko beim Leasing nicht mehr tragen wollte, denn in drei Jahren gibt es ja den ID.3 schon in höheren Stückzahlen und andere E-Modelle aus dem gleichen Hause. Wer kauft dann einen gebrauchten E-Golf mit veralteter Technik?

Das BEV ist die Zukunfstperspektive

Denn wie die E-Mobilität der Zukunft aussehen dürfte, lässt sich an den Daten des Mercedes EQ S ablesen, der in etwa zwei Jahren auf den Markt kommt. 700 Kilometer Reichweite, geladen mit 350 kW in 20 Minuten (80 Prozent) und so völlig anders als man es gewohnt ist.

Fest steht: Die Zukunft wird elektrisch sein. Bisherige Probleme wie Ladepunkte (zu wenig), Laden in Mehrparteienhäusern, Ladegeschwindigkeit, Umweltprobleme beim Abbau von Lithium und Kobalt dürften in einigen Jahren überwunden sein. Schon heute sehen Mobilitätsexperten und Wissenschaftler wie Martin Doppelbauer vom KIT Karlsruhe das BEV als DIE Zukunftsperspektive – und im Umkehrschluss den Verbrenner als die Technologie, die in den Hintergrund treten wird.

Der Turnaround ist in Sicht

Der Turnaround könnte kommen, wenn die drei kritischen Punkte überwunden sind: Reichweite, Infrastruktur und Preis. Es zeichnet sich ab, dass dies bald geschehen wird.

So könnte es also bald nicht mehr um die Frage gehen: Verbrenner oder E-Auto? Sondern darum, dass der Strommix grüner wird, damit das E-Auto seine Klima-Vorteile auch ausspielen kann. Denn das ist ja, was letztlich zählt: möglichst wenig CO2 zu emittieren. Denn die Natur verhandelt nicht. Titelfoto: pixabay

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