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Umweltfreundliche Mobilität: Alte Leitbilder verblassen schnell

Warum wir dem Dieselmotor mittlerweile unrecht tun und nicht alles Elektrische umweltfreundliche Mobilität ist.

In der aktuellen Diskussion um umweltfreundliche Mobilität sollten wir nicht ewig auf dem Wissen von gestern und den daraus folgenden Standpunkten beharren. Durch neue Forschungen, neue Entwicklungen und Verbesserungen mutieren Lieblingsfeinde manchmal zu Freunden – oder machen zumindest Platz für neue Lieblingsfeinde.

Bestes Beispiel ist der Dieselmotor. Einst als Wundermotor gepriesen, der die wenigsten CO2-Emissionen absondert, geriet er mit der Dieselaffäre auf die schiefe Bahn. Nicht weil sein Konstruktionsprinzip uns alle über Jahrzehnte getäuscht hat, sondern weil einige Autohersteller schlicht und einfach betrogen haben. Seitdem steht es schlecht um seinen Leumund. Diesel steht für Umweltsünde, basta.

Wenn die Luft sogar sauberer wird…

Doch in den letzten beiden Jahren hat sich gerade in Sachen Diesel einiges getan. Die neuen Abgasvorschriften – hier vor allem 6d-Temp – verhindern fürderhin das Schummeln, und so ist der Diesel zwar nicht zum kompletten Saubermann, aber dennoch zu einem ziemlich sauberen Antrieb mutiert. So machte sich die Autozeitschrift “auto motor sport” die Mühe und ging dem Gerücht nach, dass moderne Diesel die Luft in Sachen Feinstaub sogar sauberer machen.

Getestet wurde in Stuttgart und bei verschiedenen Wetterlagen und Fahrstrecken. Und man stellte fest, dass dies vor allem bei Wetterlagen mit hohem Anteil an Feinstaub in der Atemluft durchaus zutrifft. Bei kurzen Strecken schafften zwei Modelle dies auch bei vergleichsweise guten Luftbedingungen. Erstaunlich, oder? Und eine gute Nachricht, denn Vielfahrern bietet sich immer noch keine wirkliche Alternative, da der Benziner eine schlechtere CO2-Bilanz besitzt.

Wenn die Menschen aber nicht umsteigen…

umweltfreundliche Mobilität
E-Roller sind mehr Spaßgeräte als alles andere. Fotos: pixabay

Auf der anderen Seite befassen sich nun immer mehr Institutionen mit der E-Roller-Flut in den Städten. Denn merke: Nicht alles Elektrische ist automatisch umweltfreundlich. Dies wäre der Fall, wenn die Roller dazu führen würden, dass Menschen vom Auto umsteigen. Ist es aber nicht.

So schreibt das Online-Magazin Quarks: „Kaum einer macht das. Zu dem Ergebnis kommt das Umweltbundesamt: Viele Menschen fahren die elektrischen Tretroller statt zu Fuß zu gehen oder Fahrrad zu fahren – nicht aber, um damit eine Autofahrt zu ersetzen. Den Autoverkehr reduzierten die Tretroller nach bisherigen Erkenntnissen nicht.

Bei einer Umfrage unter fast 4400 Nutzern der Leih-Scooter in Frankreich haben nur etwa neun Prozent der Befragten angegeben, dass sie durch den E-Scooter auf eine Auto- oder Taxifahrt verzichtet haben. Mehr als drei Viertel der Menschen hätten die Strecke ansonsten mit öffentlichen Verkehrsmitteln (29%) oder zu Fuß (47%) zurückgelegt. Denn der wichtigste Grund, den E-Scooter zu benutzen, ist laut Befragung: Weil es Spaß macht und man schneller unterwegs ist als zu Fuß. Reine Spaßfahrten aber ergeben wenig Sinn – zumindest nicht aus Umweltsicht.“

Probleme im Hintergrund

Denn die Roller halten auch wesentlich kürzer als gedacht (29 Tage statt 2 Jahre!) und werden nachts von Transportern (ja: mit Verbrennermotor) eingesammelt, repariert und aufgeladen. Zudem müssen die Akkus ja produziert werden – mit den bekannten Konsequenzen. Vom Chaos beim Parken und dem Sicherheitsaspekt ganz zu schweigen.

Also: Umweltfreundliche Mobilität muss stetig neu beurteilt werden. Und alte Feindbilder können schnell verblassen. HM

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