dmt akademie

dmt Akademie feiert Premiere

Die dmt Akademie ist mit ihrem ersten Webinar erfolgreich gestartet. Die Experten wissen die Möglichkeiten der Webinar-Plattform gut einzusetzen.

Geballtes Expertenwissen zu den Themen Elektroautos, Energie und Umweltschutz  konnten die Teilnehmer des ersten Webinars der dmt Akademie erwarten. “Strom kommt bekanntlich nicht aus der Steckdose und gerade bei Ladestationen ist es nicht direkt zu sehen, ob grüner Strom angeboten wird”, beginnt Mobilitätsberaterin Julia Maulhardt den großen Themenkomplex “Ladeinfrastruktur”. Gemeinsam mit Markus Emmert, Wissenschaftlicher Beirat des Bundesverband eMobilität (BEM) und Mobilitätsberater Peter Löck ist sie auf dem Bildschirm zu sehen, die Teilnehmer können im von der Akademie genutzten Webinar-Tool “Edudip” im Chat ihre Fragen loswerden, die von Moderator Emmert gesammelt werden.

Mehr als 50% grüner Strom

Aus 45 Minuten Vortrag besteht das Basis-Seminar “E-Mobilität Basics“, das ab sofort von DMT und dem BEM angeboten wird. “Es wird immer gefragt, ob es denn überhaupt genug Strom gibt, um mehr E-Autos zu versorgen”, klärt Maulhardt weiter auf. “Nehmen wir an etwas mehr als 47.000.000 E-Autos fahren je 13.000 Kilometer im Jahr, verbrauchen 20 Kwh pro 100 Kilometer. Dann sind wir bei 122 Terawattstunden”, rechnet die Expertin vor. “Das entspräche einem Plus von 23 Prozent zu unserem jetzigen Netto-Verbrauch.” Doch könnte diese Menge locker aufgefangen werden durch die Energie, die derzeit von Deutschland aufgrund von Überproduktion ins Ausland exportiert wird. “Die Anteile an grünem Strom steigen außerdem, wir sind mittlerweile über 50 Prozent”, fährt Julia Mauhardt fort und zeigt per Mauszeiger auf einer übersichtlichen Grafik, wie sich die Anteile an grünem Strom entwickelt haben. Die beiden Berater gehen während des Seminars noch deutlich mehr ins Detail.

Die Abfrage der Zuhörer zu Beginn zeigt: An verschiedensten Ecken gibt es Unklarheiten in Sachen E-Mobilität.

Doch natürlich dreht sich der Vortrag auch um die Elektroautos an sich. Ein Gegenargument, das in Diskussionen gerne verwendet wird, ist die vermeintliche Brandgefahr, doch hier will Peter Löck aufräumen: “Auf ein brennendes Elektroauto kommen vier brennende Verbrenner”, sagt er. “Hinzu kommt, dass Elektroautos langsam und kontrolliert abbrennen. Das einzige, was wirklich problematisch ist, ist dass die Autos sehr lange brennen, wenn es mal dazu kommt.”

Gelungene Premiere

Maulhardt und Löck umreißen im Seminar sämtliche Themen rund um das Elektroauto, dazu gehören auch die Rechte, die mit einem E-Kennzeichen einher gehen und sie vergleichen die Kosten eines Golf TDI mit einem e-Golf. “In der Anschaffung teurer, insgesamt ist der e-Golf aber deutlich günstiger”, zieht Maulhardt nach Heranziehen einer entsprechenden Grafik Bilanz.

Dann sind die Zuhörer dran und können weitere 45 Minuten lang ihre Fragen stellen. Da geht es um Fuhrparks, es gibt detaillierte Nachfragen zu den vorgestellten Grafiken und auch die allgemeine Meinung, die Löck und Maulhardt von Hybriden haben, wird erfragt.

Mit der dmt Akademie will die DMT Events Gmbh & Co KG gemeinsam mit dem Bundesverband für Elektromobilität (BEM) und selbstständigen Mobilitätsberatern für Aufklärung und Schulung in Sachen Elektromobilität sorgen. Das Basics-Seminar soll schon in Kürze wieder angeboten werden, hinzu kommen danach acht weitere Vertiefungskurse, die einzelne Themen rund um das Elektroauto genauer beleuchten. Die Kurse sind sowohl für E-Auto-Anfänger gedacht als auch für Personen, die sich beruflich mit der Thematik auskennen müssen. NMA

E-Mobilität

E-Mobilität: „Es besteht akuter Handlungsbedarf“

Interview mit Markus Emmert, Arbeitsgruppenleiter beim BEM und Seminarleiter der dmt Akademie, über E-Mobilität.

Die E-Mobilität ist eine noch recht junge Branche, doch schon jetzt bildet sich hier ab, was in anderen Segmenten bereits Standard ist: Selbständige Experten nehmen eine Schlüsselrolle in den Bereichen Wissenstransfer und Innovation ein. Das bestätigt auch Markus Emmert vom Bundesverband E-Mobilität e.V. (BEM). Er gilt als ausgewiesener Fachmann im Bereich E-Mobilität und kennt die Herausforderungen für diese Branche. Und er weiß: Selbständige Spezialisten werden auf dem Markt immer wichtiger. Ein Gespräch über neue Strukturen in den Unternehmen – und in den Köpfen der Entscheider.

Puls: Herr Emmert, eines der größeren, deutschen Qualitäts-Nachrichtenmedien titelte jüngst: 2019 wird das Jahr der Elektromobilität. Wie beurteilen Sie als Fachmann diese These?

Emmert: Ähnlich. 2019 wird definitiv einiges geschehen, was dem Thema E-Mobilität zusätzlichen Zündstoff verleihen wird. Ob das jetzt die Ladeinfrastruktur oder neue Fahrzeuge betrifft, um nur einige der Themen zu nennen. Wir vom Bundesverband E-Mobilität spüren deutlich, dass Bewegung in den Markt kommt. Und das branchenübergreifend. Das ist gigantisch.

Welche Branchen haben denn eine Schnittstelle mit der E-Mobilität?

Andersherum gefragt: Welche haben keine Schnittstellen? Ich kenne fast keine Branche, die keine Schnittstelle zur E-Mobilität hat. Die KFZ-Branche, die KFZ-Technologie-Zuliefererbetriebe, die Energiewirtschaft, die Baubranche, das gesamte Verkehrsthema, der maritime Bereich, das Thema Sonderbaumaschinen oder die Landwirtschaft: Für sie alle ist E-Mobilität ein relevanter Bereich. Dazu kommen angrenzende Segmente, das Gebiet der Mobilität im Allgemeinen. Hier sprechen wir beispielsweise vom autonomen und teilautonomen Fahren – und bewegen uns im Bereich der Digitalisierung von Big Data und Blockchain. Kurz: Es gibt keine Branche, die nichts mit dem Thema E-Mobilität zu tun hat.

“International wird das Thema viel weiter gedacht”

E-Mobilität

Markus Emmert ist Arbeitsgruppenleiter beim BEM und Seminarleiter der dmt Akademie. Foto: Emmert

Warum kommt jetzt so viel Dynamik in den Markt? Oder besser: Warum erst jetzt, wo doch bereits 2020 eine Million E-Autos in Deutschland fahren sollten?

Diese Frage lässt sich nur beantworten, wenn wir zuvor den Fokus festlegen. Denn: International wird speziell das Thema E-Mobilität viel, viel weiter gedacht. Denken wir nur an die Smart-City-Projekte in China. Davon sind wir national gesehen ganz weit weg. Genau daher aber rührt die von Ihnen angesprochene Dynamik auf dem deutschen Markt. Es ist der Druck von außen. Die USA und überwiegend Asien haben bereits komplett fertige Ideen und Produkte am Markt. Es besteht akuter Handlungsbedarf, wenn wir weiter in diesem Teich mit schwimmen und uns international im Bereich E-Mobilität behaupten wollen.

Wer sind denn in Ihren Augen international gesehen die Innovationstreiber?

Da gibt es verschiedene Player. Einer der größeren ist Tesla. Die haben das Fahrzeug an sich neu gedacht – und haben natürlich den Vorteil, dass sie als Unternehmen keine Altlasten hatten, dass sie in komplett neuen Strukturen denken konnten. Und vergessen wir nicht: Auch Apple, Google oder Samsung spielen auf diesem Markt mit. Das sorgt bei vielen Unternehmen für ein Umdenken und für neue Konzepte.

“Niemand nimmt die Untenehmen an die Hand”

Kurz: Der Druck ist hoch und die deutsche Wirtschaft rüstet sich für den Wettbewerb. Was einfacher klingt als es ist, oder? Stichwort Fachkräftemangel.

Allerdings. Diese Erkenntnis, dass etwas geschehen muss, ist gut und notwendig, allerdings besteht die Problematik, dass niemand die Unternehmen an die Hand nimmt und ihnen sagt, wie sie jetzt vorgehen sollten. Niemand zeigt ihnen den Weg. Weil es auf dem nationalen Markt einen massiven Mangel an Know-how, an Spezialisten und Beratern gibt. Und das nicht nur im Bereich E-Mobilität, sondern in allen Branchen.

Wie erklären Sie sich das?

Wir leben in einer komplett neuen Zeit. Die ganzen Entwicklungen und Ideen können nicht 15 Jahre warten. Prozesse in Betrieben müssen schneller laufen, das Klima in Unternehmen innovationsfreundlicher werden. Manche Unternehmen können das nur schwer umsetzen; der Informationsfluss ist zu langsam. Wir haben aber gleichzeitig verkannt, wie wichtig es ist, unser Know-how in Deutschland zu halten und auszubauen und das Thema ganzheitlich zu denken. Ein Beispiel: Wir kümmern uns um Batterien und technische Entwicklungen. Hier liegt der Fokus. Was wir vergessen, sind die Themen Ausbildung und Beratung: Ich kann kein Auto verkaufen, wenn ich keinen Verkäufer habe, der die Basics drauf hat. Und ich kann diese Grundlagen nicht schaffen, wenn ich keine Spezialisten am Markt habe, die ihr Wissen weitergeben.

Es fehlt also an Wissensträgern und Prozessspezialisten auf dem deutschen Markt.

Absolut. Wir haben unglaublich viel Know-how und Geist in Deutschland, aber der wird selten gesehen oder intern im Keim erstickt. Die Talente gehen ins Ausland, wo sowohl politisch als auch wirtschaftlich Raum für Innovationen besteht.

“Sie brauchen den Impuls von außen”

Selbständige Experten könnten hier eine Lösung darstellen. Sie bringen als Spezialisten ihr gesammeltes Wissen in ein Unternehmen ein.

Absolut richtig und wichtig! Unternehmen hatten und haben leider oftmals immer noch die Angst, dass selbstständige Experten auf Zeit internes Wissen nach außen tragen, es also nach Abschluss ihrer Tätigkeit bei einem Mitbewerber einbringen. Dieses Denken ist fatal und nicht mehr zeitgemäß. In meinen Augen ist die Beauftragung von selbstständigen Spezialisten in der E-Mobilität eine große Chance. Nur so komme ich zu neuem Denken und neuen Strukturen in einem Unternehmen. Intern ist das kaum möglich. Sie brauchen den Impuls von außen. Es ist doch so: E-Mobilität kann ich als Unternehmen nicht mehr alleine denken und in die Hand nehmen. Ich muss es zulassen, in Netzwerken und Kooperationen zu denken. Das sind wir in Deutschland nur nicht gewohnt.

Sie empfehlen also ganz bewusst die Zusammenarbeit auf Zeit mit hochqualifizierten Spezialisten?

Meines Erachtens nach müssen wir so vorgehen, um Ergebnisse zu schaffen. Wir müssen selbstständige Spezialisten ins Boot holen und verstärkt auch mit Start-ups kooperieren. Das ist vielen Unternehmen auch bereits bewusst. Allerdings gibt es immer noch zu wenig echte Change Maker in den Entscheider-Ebenen, die diese Erkenntnis wirklich leben. Diese leisten sich dann meist eine interne Innovationsabteilung mit kleinem Budget, die nicht wirklich Schlagkraft hat. Und man muss zudem ehrlicherweise sagen: Es gibt einfach nicht sehr viele Kapazitäten und Ressourcen am Markt.

“Die Entwicklungen sind nicht mehr umkehrbar”

Dennoch, so sagten Sie zu Beginn unseres Gesprächs, wird 2019 ein dynamisches Jahr für die E-Mobilität …

Ich bin sehr optimistisch. Die neuen Themen und Entwicklungen sind nicht mehr umkehrbar. Die finden statt – mit oder ohne uns. Das ist allen bewusst. Auch der Industrie und Wirtschaft. Diese kommt um ein Umdenken gar nicht drum herum. Und das wird sich fühlbar auszahlen. Denn ein Experte auf Zeit hat ja nicht nur den Vorteil, dass er bereits eine Vielfalt an beruflichen Erfahrungen und Aufgabenstellungen gesammelt hat, er bringt zudem eine branchenübergreifende Perspektive mit. Das ist Gold wert! Wenn ein Spezialist aus der Auto- und Motor-Sparte ein Unternehmen aus der Energiewirtschaft berät, werden sie feststellen, wie viele Parallelen es gibt. Viele Branchen arbeiten in der E-Mobilität an ähnlichen Fragestellungen, ohne sich jemals auszutauschen. Das unterbindet Potentiale. Ein selbstständiger Experte auf Zeit kann hier wertvollen Input liefern und innovative Impulse setzen. HM/Titelfoto: Porsche

Lernen Sie mehr über Elektromobilität in den Webinaren der dmt Akademie!

dmt akademie

dmt Akademie: Der Weg zur E-Mobilität

Die Webinare der dmt Akademie vermitteln umfassendes Wissen rund um die Elektromobilität.

Die Elektromobilität wird den Verkehr von morgen bestimmen: Elektroautos werden die Mobilität der Zukunft sicherstellen und die Verbrenner langsam, aber sicher ablösen. Immer mehr E-Modelle kommen auf den Markt, die Ladeinfrastruktur wird ausgebaut und – wichtig – immer mehr Kunden interessieren sich für die E-Mobilität. Nicht wenige Experten sehen im Jahr 2020 das Jahr der Elektromobilität.

Die nächsten Termine: 28. Mai und 3. Juni jeweils um 17.30 Uhr

Unterdessen gibt es noch viele Wissenslücken rund um das Elektroauto. Wie wichtig ist ein dreiphasiger Lader? Was ist der Unterschied zwischen Wechselstrom (AC) und Gleichstrom (DC)? Ist ein Elektroauto teurer als ein Benziner? Es gibt viele Fragen und noch mehr Antworten. Und wer keine Antworten kennt, wagt sich an die neue Technologie nicht heran oder kann sie potenziellen Kunden nicht nahebringen.

Auf den neuesten Wissenstand bringen

Mit der neu gegründeten dmt Akademie möchten wir allen Interessierten – egal ob privat oder gewerblich – die Möglichkeit geben, sich eingehend mit den Themen rund um die Elektromobilität zu befassen und sich auf den neuesten Wissenstand zu bringen.

Und zwar online, in Form von Webinaren. Grundlage der Aus- und Weiterbildung ist ein Basis-Webinar, das 90 Minuten dauert und sich in zwei Teile gliedert: 45 Minuten Wissensvermittlung und 45 Minuten Fragen und Antworten der Teilnehmer/innen.

Auf dem Basis-Webinar aufbauend, das zur Teilnahme an den folgenden Modulen berechtigt, bietet die dmt Akademie acht vertiefende Webinare zu den Einzelthemen Ladeinfrastruktur, Umwelt, Energie, Alternativen, Kosten und Förderung, Technik und Sicherheit, rechtliche Hintergründe und Sektorenkopplung an.

Die Webinare werden von erfahrenen und zertifizierten Experten gehalten. Eine erfolgreiche Teilnahme wird mit einer Teilnahmebescheinigung oder einem Zertifikat der dmt Akademie bestätigt.

Weitere Infos über Inhalt und Referenten sowie Termine und die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie hier.

Polestar

Polestar 2 kostet 58.800 Euro

Die Volvo-Tochter Polestar hat nun die Preise für sein 2020 erscheinendes Elektro-Modell bekannt gegeben. Und zwar für Kauf und Leasing.

Die sich auf Elektroautos konzentrierende Volvo-Tochter Polestar bringt mit dem Polestar 2 im kommenden Jahr einen eleganten Stromer. Dieser verfügt über einen 300 kW starken Elektroantrieb, der seine Kraft an alle vier Räder überträgt. Die Batterie ist 78 kWh groß und soll hohe Reichweiten garantieren.

Nun haben die Schweden die Preise bekannt gegeben. Das erste vollelektrische Modell gibt es ab einer monatlichen Leasingrate von 599 Euro brutto für Privatkunden. Das Angebot basiert auf einer Laufzeit von 48 Monaten und einer Laufleistung von 10.000 Kilometern pro Jahr; eine Anzahlung wird nicht fällig. Abgewickelt wird das Leasing über die ALD AutoLeasing D GmbH in Hamburg. Routinemäßige Wartungs- und Service-Leistungen für die ersten drei Jahre samt Fahrzeugabholung und Lieferung sind zudem durch Polestar abgedeckt.

Polestar
Kostet 58.800 Euro: der Polestar2.

Kauf ab 58.800 Euro

Wer den Polestar 2 lieber kaufen möchte kann dies für 58.800 Euro brutto inklusive regelmäßiger Wartung- und Serviceleistungen in den ersten drei Jahren, plus Abholung und Lieferung tun.

Eine Besonderheit ist auch: Alle Fahrzeuge werden im Rahmen eines digitalen Vertriebsmodells online und direkt über Polestar verkauft. In ausgewählten Innenstädten eröffnet die Marke zudem sogenannte Polestar Spaces: ein neuartiges Retailkonzept im minimalistischen Design und mit nahtloser digitaler Interaktivität, in denen Experten kommissionsfrei die Kunden mit Produktinformationen und Probefahrten unterstützen.

Reservierungen sind derzeit unter www.polestar.com möglich, wo potenzielle Käufer sich ihren Platz auf der Warteliste und eine garantierte Lieferung 2020 sichern können. Die Anzahlung in Höhe von 1.000 Euro ist voll erstattungsfähig. HM

Mercedes EQC

Mercedes Vision EQS: Sprung durch die Zeiten

Den Blick in die (nähere) Zukunft gewährte Mercedes in Tokio. Der EQS soll schon in zwei Jahren auf den Markt kommen – und versetzt schon heute in Staunen.

Gestern, heute, morgen – auf einem Trip nach Tokio kann einem das Zeitgefühl schon einmal abhandenkommen. Erst recht, wenn am Ende der Reise kein Toyota-Taxi wartet, sondern auf dem Parkplatz mitten im Nirgendwo plötzlich der Mercedes Vision EQS auftaucht: Denn obwohl dieses erst vor ein paar Wochen auf der IAA in Frankfurt enthüllte Schaustück ganz real ist, im Hier und Heute steht und sich der nieselgraue Himmel auf dem blanken Lack spiegelt, wirkt er seltsam unwirklich und wie aus einer anderen Zeit. Kein Wunder. Schließlich ist der stolze 5,30 Meter lange Luxusliner ja auch ein Bote aus der Zukunft, der die Mercedes-Kundschaft auf die erste elektrische Luxuslimousine aus Stuttgart einstimmen soll.

Mercedes EQS
S-Klasse und EQ S werden sich nicht nur bei der Technik unterscheiden, sondern vor allem bei der Form. Fotos: Daimler

Mercedes bittet zum Timewarp

Während die halbe Mercedes-Mannschaft gerade mit Hochdruck an der neuen S-Klasse arbeitet, die bereits im nächsten Jahr kommen soll, arbeitet die andere am EQS, der ein Jahr später das Rennen gegen Porsche Taycan, Audi E-Tron GT und allen voran das Model S von Tesla aufnehmen soll. Und anders als GLC und E C sollen die beiden Luxusliner diesmal außer dem Anspruch auf die Spitzenposition im jeweiligen Segment wenig gemein haben. Nicht umsonst entwickelt Mercedes für den EQS und alle kommenden E-Autos deshalb eine komplett neue Architektur, die sich die Vorteile der E-Mobilität voll zunutze machen und deshalb zum Beispiel ein deutlich besseres Package bieten will.

Hunderte von LEDs

Aber S-Klasse und EQS werden sich nicht nur bei der Technik unterscheiden, sondern vor allem bei der Form. Während das etablierte Flaggschiff eher klassisch und damit konservativ auftritt, hat Designchef Gorden Wagener für den EQS einen völlig neuen Stil gefunden: Statt des traditionellen Stufenschnitts setzt er auf einen einzigen Bogen, der die gesamte Silhouette definiert und verzichtet darunter auf nahezu alle Linien, Sicken und Kanten. Und als wäre das nicht schon neu genug, garniert er das mit einer Beleuchtungskonzept, das seines gleichen sucht.

Mercedes EQS
Das Heck wirkt sehr futuristisch.

Mit Hunderten von LED kämpft der EQS deshalb gerade gegen die aufziehende Dunkelheit und wirkt im konturlosen Grau nach dem Abzug eines kleinen Taifuns hier in Tokio nur noch unwirtlicher. Die Scheinwerfer mit ihren rotierenden Linsen schicken eher Hologramme als Lichtkegel in die Dämmerung, hinter dem schwarz verglasten Grill funkeln zahllose Lichtpunkte. Statt konventioneller Rückleuchten haben die Designer über 200 glühend rote Mercedes-Sterne in den Heckdeckel geschnitten, und ein filigranes LED-Band entlang der Nahtlinie der Zweifarblackierung hält alles zusammen.

Es gibt keine Schalter und Anzeigen mehr

All das kennen wir schon aus Frankfurt, doch hier in Tokio bittet Mercedes zu einer Art Timewarp und man muss dafür nicht einmal herumhüpfen wie bei der Rocky Horror Show. Ein kleiner Schritt nach rechts reicht, dann sitzt man bereits hinter dem Steuer und kommt aus dem Staunen kaum mehr heraus. Denn so opulent die elektrische Alternative zur S-Klasse von außen wirkt, so schlicht ist sie innen: Digitale Entgiftung nennen die Designer als Leitmotiv und sprechen gerne von einem „hyperanalogen“ Interieur, wenn sie die erschreckende leere Landschaft aus Lack und Leder beschreiben. Es gibt keine Schalter mehr und keine Anzeigen und auch die üblichen Bildschirme sucht man vergebens. Selbst das Lenkrad fällt dieser Idee zum Opfer, wird oben coupiert und macht sich deshalb ganz, ganz klein.

Mercedes EQS
Mit Hunderten von LED kämpft der EQSgegen die Dunkelheit.

Dekorstoffe aus Plastikmüll

Doch keine Sorge, die Besserverdiener von Morgen sind nicht disconnected und auch nicht von der digitalen Welt abgeschnitten. Der ungewöhnlich flache Schwebebalken vor der ersten Reihe ist nicht nur eine Augenweide, sondern auch eine Art Leinwand, auf die Mercedes alle Anzeigen und Bedienelemente projiziert, wann und wo immer sie gerade benötigt werden. Und damit derweil niemand ein schlechtes Gewissen plagt, gibt es ein nachhaltiges Materialkonzept mit Holz aus heimischen Wäldern, Dekorstoffen aus maritimem Plastikmüll, artifiziellem Leder und Mikrofasern aus recycelten PET-Flaschen.

Während die Designer am großen Rad drehen und ihrer Phantasie freien Lauf lassen, ist die Technik unter der spektakulären Hülle vergleichsweise bodenständig – aber dafür konsequent. Nachdem Mercedes bislang nur konventionelle Plattformen umgerüstet hat, leisten sich die Schwaben zum ersten Mal eine dezidierte Elektroarchitektur und können alle Packaging-Vorteile nutzen: Die Überhänge werden kürzer und der Innenraum bietet entsprechend mehr Platz und anders als der EQC hat der Vision EQS auch keinen Hängebauch mehr, der Akku verschwindet tatsächlich komplett im Wagenboden.

700 Kilometer Reichweite und mehr

Dabei ist er größer denn je. Denn um adäquate Fahrleistungen zu bieten, wird bei Mercedes mal wieder geklotzt statt gekleckert. 100 kWh soll die Batterie mindestens haben, stellen die Entwickler in Aussicht und versprechen eine Reichweite von über 700 Kilometern. Und weil theoretisch mit 350 kW geladen wird, sind die Zellen binnen weniger als 20 Minuten zu 80 Prozent voll. So schnell wie beim Laden ist die Vision EQS auch beim Fahren: Mit knapp 500 PS und bald 800 Nm beschleunigt der voll variable Allradantrieb in weniger als 4,5 Sekunden auf Tempo 100 und erlaubt mehr als 200 km/h.

Mercedes EQS
Auch das Cockpit ist futuristisch gestaltet.

Zumindest in der Theorie. In der Praxis dagegen bewegt sich der Vision EQS ausgesprochen langsam und vorsichtig und tastet sich auf seinen gewaltigen 24 Zöllern eher voran als dass er wirklich fahren würde. Dabei wirkt er ein wenig hölzern und unhandlich, was dem händischen Aufbau und dem schlichten Fahrwerk der Studie geschuldet ist. In der Serie dagegen wird eine Hinterachslenkung den Wendekreis schrumpfen lassen und eine Luftfederung samt Wankausgleich mit 48 Volt-Technik die Insassen wie auf Wolken betten.

Aus Holz werden Wolken

All das erfährt man bei der Zeitreise am anderen Ende der Welt, während die Begleiter nervös an den Himmel schauen. Denn schon ziehen wieder Regenwolken auf, das Grau verschluckt die Szenerie und ehe man es sich versieht, ist das Showcar sicher im trockenen Lastwagen verstaut. Der Parkplatz, auf dem man eben noch durch die Zeit gereist ist, liegt leer und verlassen da und der Betrachter reibt sich verwundert die Augen – gestern, heute, morgen – einmal mehr hat man in Tokio sein Zeitgefühl verloren. Doch keine Sorge – spätestens in zwei Jahren ist die innere Uhr wieder im Takt – dann steht das Serienauto zur Testfahrt bereit. SP-X