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„Eine Alternative muss mehr Spaß machen als das eigene Auto“

Wie könnte sich die Mobilität in Städten wandeln? Interview mit dem Mobilitätsberater Peter Löck, der an der Podiumsdiskussion bei der DMT Arena in Hannover teilnimmt.

DMT: Was muss sich ändern, damit sich das Mobilitätsverhalten der Menschen ändert?

Löck: Vorweg: Das Auto hat seinen Platz in der Mobilität der Zukunft. Es gehört nicht ohne Grund zu den erfolgreichsten Produkten des letzten Jahrhunderts. Es hat sich nicht nur technisch weit entwickelt, sondern vermittelt auch Rückzug, Status und Freiheit.
Der entscheidende Schritt in Richtung Verkehrswende ist die Abkehr vom individuellen Personenverkehr. Dennoch ist die Mobilität ein menschliches Grundbedürfnis und eine wirtschaftliche Notwendigkeit, Verbote bringen da wenig. Besser als Wegnehmen ist das bessere Angebot – fragen Sie meine Kinder.
Eine Alternative muss mehr Spaß machen, als der Besitz eines eigenen Autos. Daran arbeite ich wie viele andere in meinem Startup. Es muss einfacher sein, auf die App zu klicken als den Autoschlüssel zu schnappen. Es muss billiger sein, als der teure Unterhalt eines eigenen Autos. Es muss schneller sein, als im Stau zu stehen. Es muss stressfreier sein, als Parkplatzsuche.

“Es muss einfacher sein, auf die App zu klicken als den Autoschlüssel zu schnappen”

Dank der digitalen Transformation können wir einfachen Zugang zu verschiedenen Verkehrsangeboten ermöglichen. Dabei ist die größte Herausforderung den Flickenteppich der Verkehrsverbünde zu verknüpfen und Konkurrenten zur Zusammenarbeit zu bewegen. Im Ergebnis komme ich ohne Auto besser von Tür zu Tür.
Neben der Entwicklung von Alternativen gehört auch die Vision dazu, Menschen ihren Raum zum Leben und Atmen zurückzugeben. Beispiele aus den Smart Cities Europas, wie Helsinki und Amsterdam zeigen uns den Weg zu einer lebenswerten Stadt.

Welche Antriebsform favorisieren Sie für die Zukunft – Elektro, Hybrid, Brennstoffzelle?

Erst einmal: Auch das „Wasserstoffauto“ ist ein Elektroauto mit Elektromotor und Akku. Der Wasserstoff ersetzt als Energieträger die größeren Akkus eines vollelektrischen Fahrzeugs. Die Frage nach Wasserstoff- oder Akku lässt sich nicht isoliert betrachten. Im Kontext der Energiewende ist die Technologie vorzuziehen, welche der Verwendung volatiler Energien aus Wind und Sonne am dienlichsten ist.

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Mobilitätsberater Peter Löck, Teilnehmer der Diskussionsrunde bei der DMT Arena. Foto: Löck


Mit Wasserstoff lässt sich in windigen oder sonnigen Zeiten gut Energie speichern. Aber durch die Umwandlung von Strom in Wasserstoff und Wasserstoff wieder in Strom treten so hohe Energieverluste auf, dass im besten Fall ein Viertel der ursprünglichen Energie auf der Straße landen. Für die Wasserstofftechnologie müsste man dreimal mehr Windräder bauen. Von den Synfuels wollen wir in diesem Zusammenhang gar nicht reden. Aus meiner Sicht hat die Brennstoffzelle im Straßenverkehr keine Chance mehr.

“Die Brennstoffzelle hat im Straßenverkehr keine Chance mehr”

Akkus haben einen wesentlich höheren Wirkungsgrad von etwa 90 Prozent. Außerdem lässt sich Strom ausgezeichnet transportieren. Das Stromnetz ist schon da, wir können grundsätzlich überall laden und müssen nie wieder tanken. Im besten Fall laden wir bei Gelegenheit, immer wenn der Wagen steht, bei der Arbeit, zu Hause, während des Einkaufens.
Aber zurück zur Energiewende. Technisch können Elektroautos nicht nur Energie aus dem Netz aufnehmen, sondern auch abgeben und damit der Stabilität der Netze dienlich sein. In Fachkreisen spricht man von bidirektionalem Laden oder auch V2G (Vehicle to Grid). Das macht die „Akkus auf Rädern“ perspektivisch zur besten Alternative. Die Akkutechnologie schreitet voran. Energiedichte und Ladezeiten haben sich so verbessert, dass auch der Einsatz im Schwerlastbereich realistisch ist.
Der Hybrid schleppt weiter den Verbrenner mit sich herum. Die Oxidation von Kohlenstoff müssten wir eigentlich schon gestern beendet haben, wenn wir das Klima des Planeten noch retten wollen. Deswegen und weil es inzwischen bessere Antriebe gibt, ist der Hybrid keine sinnvolle Option.

Wie wird sich die Mobilität in der Stadt verändern? Und wie die Stadt?

Das haben wir selbst in der Hand. Ich habe da eine Karikatur im Kopf, wo Straßen als unüberwindbare Schluchten dargestellt sind. Wir haben zu lange Straßen für Autos gebaut und Städte um die Straßen herum. Das es auch besser geht, zeigt Oslo, wo öffentliche Parkplätze durch Blumen und Bänke ersetzt werden. Mich überzeugt dieser skandinavische Pragmatismus: „Ohne Parkplatz erreiche ich mein Ziel in der Stadt nicht, also fahre ich anders hin“. Schön ist auch das Beispiel Paris, wo entlang der Seine wieder Fußgänger flanieren und das Leben blüht.

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Straßen als unüberwindbare Schluchten.
Picture by Karl Jilg/Swedish Road Administration


Was in den suburbanen Räumen schwer umzusetzen ist, wie zum Beispiel funktionierender öffentlicher Nahverkehr mit vielen Haltestellen und kurzer Taktung und Sharing-Modelle mit unterschiedlichen Fahrzeugen, nimmt in den Zentren seinen Anfang. Stellen Sie sich vor, wie viel Flächen für Grünanlagen, aber auch Geschäftsmeilen frei werden, wenn der Individualverkehr kein Hindernis mehr ist.

Halten Sie die E-Scooter in der City für einen Gewinn?

Ha, lacht: Ich habe in Klagenfurt einen E-Scooter ausprobiert, macht Laune! Aber im Ernst: Ja und nein. In der Stadt von heute wirkt Mikromobilität als zusätzliche Belastung, weil zusätzlicher Fahr- und Parkraum beansprucht wird. In offenen Anlagen ohne Autoverkehr kann man aber jetzt schon sehen, wie städtische Mobilität in Zukunft aussehen kann. Nicht die E-Scooter sind das Problem, sondern die Autos, denen der Großteil der Straße zum Fahren und Parken eingeräumt wird.
Die E-Scooter sind vergleichbar zum Carsharing erst ein Gewinn, wenn der kritische Punkt überschritten wird, an dem weniger eigene Autos in den Verkehr gebracht werden.

Wird der Pkw seinen Status als „Liebling der Deutschen“ behalten?

Natürlich ist ein Strich-Achter (Mercedes Benz /8) von außergewöhnlicher Schönheit, aber ich muss damit ja nicht jeden Tag zur Arbeit fahren. 47 Millionen Pkw auf deutschen Straßen sind einfach zu viel. Die kommenden Angebote von Byton und Co. zeigen das Fahrzeug an sich als reine Plattform für digitale Personifizierung. Ihr Smartphone kann ja auch das gleiche Modell sein wie meins, die Apps machen den Unterschied. Die Autos werden austauschbar, wir werden sie uns im Alltag teilen und damit in der Lage sein, höherwertige Modelle zu benutzen. Status ist dann das Premium-Abo.

Vielen Dank für das Gespräch

Mehr über die DMT Arena am 14. November im HCC erfahren Sie hier. Die Teilnahme ist kostenlos

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