Umdenken

Zuerst kommt das Umdenken – und danach vielleicht das Auto

Um die Mobilitätswende zu beginnen, müssen wir vor allem eines: umdenken. Und uns künftig genau überlegen, was wir für unser Fortkommen brauchen.

Der Mensch mag nicht umdenken. Was in jungen Jahren noch einigermaßen funktioniert, fällt mit wachsendem Alter immer schwerer. Im Laufe seines Lebens fällt man in einen Trott, dem man nur schwer wieder entgehen kann. Das betrifft nicht nur Gewohnheiten und Tagesabläufe, auch die Denkstrukturen haben sich tief eingegraben in den menschlichen Geist.

Oder wie sonst ist die Angst vor dem Elektroauto zu verstehen, die sich in seltsamen Diskussionen findet? Hört man den Kritikern zu, dann naht der Untergang der westlichen Welt so wie wir sie kennen, zumindest aber wird Mobilität unmöglich. Begriffe wie Reichweitenangst, Ladekomfort und Elektrophobie tauchen auf. Plötzlich ist die Gewinnung von Rohstoffen das zentrale Thema beim Autobau. Hat zuvor je ein Hahn danach gekräht, welche Umweltschäden das Fördern und Transportieren von Öl weltweit verursacht?

Wie ist die Angst vor dem E-Auto zu verstehen?

Umdenken
In vielen europäischen Städten schon eine vielgenutzte Alternative zum Auto: der E-Roller. Foto: Seat

Jetzt aber können wir keine Elektroautos fahren, da die Kinder im Kongo ausgebeutet und gesundheitlich ruiniert werden. Man mag es laut herausschreien: Das hat es vor dem E-Auto auch schon gegeben! Und es liegt auch nicht nur am Bedarf nach Akkus, dass diese Skandale existieren. Wen kümmert es etwa, was in den Goldminen Afrikas abgeht? Und wen interessiert, dass Kobalt und Lithium auch in Verbrennern und vielen anderen Produkten verbaut werden – man denke nur an Handys.

Nun ja, wir werden noch einige schräge Diskussionen führen müssen, bis das Umdenken bei der Mobilität einsetzt. Wobei ich herausstreichen möchte, dass das E-Auto nicht das Allheilmittel ist. Aber 100 Prozent Ökostrom in unserem Netz und viele Stromer auf den Straßen würden uns schon mal einen Schritt voranbringen auf dem Weg zur klimaneutraleren Mobilität. Noch besser ist es freilich, das Auto ganz stehen zu lassen und das Fahrrad zu nehmen, gerne auch das E-Bike.

PHEV: Die Last der zwei Antriebe

Ganz schlecht aber ist es, einen Plug-in-Hybriden (PHEV) zu kaufen und ihn dann nur im Verbrenner-Modus zu bewegen. Dann rauschen die Verbräuche in schwindelerregende Höhen, da die PHEVs ja ein bisschen mehr wiegen. So beschwerte sich ein Nachbar kürzlich bei mir, dass der Verbrauch seines Halbstromers, ein mittelgroßes SUV, weit über zehn Liter liege. Und ein Fuhrpark-Leasingunternehmen berichtete von PHEV-Dienstwagen, bei denen das Ladekabel nach drei Jahren noch originalverpackt und daher unbenutzt war.

Also noch einmal ganz laut, was seit Jahren in der seriösen Presse steht:

  • Die angegebenen Durchschnittsverbräuche (oft unter 2 Liter je 100 km) in den technischen Daten der PHEV sind nur zu erreichen, wenn man Kurzstrecke fährt, regelmäßig nachlädt und peinlich darauf achtet, dass der Verbrenner sich nicht zuschaltet.
  • Die Angaben der elektrischen Reichweite stimmen oft nicht mit der Realität überein. Vor allem im Winter kann man getrost 30 bis 40 Prozent abziehen.
  • Ein PHEV macht nur Sinn, wenn man weit überwiegend Kurzstrecke fährt. Wobei sich hier die Frage stellt, warum man dann nicht gleich zum vollelektrischen Auto (BEV) greift.

Moderne Diesel filtern sogar Feinstaub aus der Luft

Fazit: Im Vertrieb und auf der Langstrecke sind PHEV kontraproduktiv. Hier bieten sich nach wie vor Dieselautos an. Ja, Dieselautos! Mit der modernsten Abgasnorm Euro 6d-TEMP halten sie wirklich die Emissionsgrenzwerte ein. Und ein Test der Zeitschrift auto, motor und sport hat ergeben, dass sie nicht selten mehr Feinstaub aus der Stadtluft filtern als sie hinten wieder ausstoßen.

Wir werden noch lange auf mehrere Antriebsarten angewiesen sein bei unserer Mobilität. Immer wichtiger jedoch wird, dass wir uns die Antriebe aussuchen, die zur geplanten Verwendung passen. Und hier sollten sich die Denkstrukturen möglichst bald auf die neue Situation einstellen, damit wir den Wandel angehen können.

Antworten geben: Der Deutsche Mobilitätstag

Wie das funktionieren kann, dass E-Autos kein Teufelszeug sind und wer Hilfestellung geben kann, das zeigt der Deutsche Mobilitätstag im kommenden Jahr in Hannover (5. und 6. Juni), Karlsruhe (15. und 16. September) und Aschaffenburg (6. und 7. Oktober). Informieren Sie sich aus erster Hand und suchen Sie Antworten auf Ihre Fragen. Uns rennt die Zeit davon. Die Natur verhandelt nicht.

DMT Arena

Dr. Elisabeth Clausen-Muradian (Grüne) kommt zur DMT Arena

Dr. Elisabeth Clausen-Muradian, Stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Ratsfraktion Hannover, nimmt an der Podiumsdiskussion der DMT Arena am morgigen 14. November um 18 Uhr im HCC teil.

Der Grünen-Politiker Belit Onay hat jüngst die Oberbürgermeisterwahl in Hannover für sich entschieden. Damit dürfte sich auch das Mobilitätskonzept in der Landeshauptstadt einiges ändern. „Wir müssen Verkehr neu denken und wollen mehr Mobilität bei weniger motorisiertem Individualverkehr erreichen. Andere Städte haben es bereits vorgemacht, jetzt kann Hannover gleichziehen und sich einen echten Standortvorteil verschaffen“, sagt Onay. Und: „Ich will bis 2030 den Anteil des Radverkehrs auf 40 Prozent erhöhen und eine autofreie Innenstadt innerhalb des Cityrings schaffen.“

„Wem gehört die Stadt?“

DMT Arena
Dr. Elisabeth Clausen-Muradian, Vorsitzende des Umweltausschusses der Grünen Hannover. Foto: privat

Stoff für viele Diskussionen in und um die Landeshauptstadt und deren Verkehrskonzept zeichnet sich damit ab. Die DMT Arena am 14. November um 18 Uhr im HCC greift diese Themen auf, und die Veranstalter Friedrich-Naumann-Stiftung FNF und DMT.events GmbH + Co KG freuen sich, dass so kurzfristig nach der Wahl eine Vertreterin der Grünen die Teilnehme an der Podiumsdiskussion zugesagt hat: Dr. Elisabeth Clausen-Muradian, Vorsitzende des Umweltausschusses der Grünen Hannover, wird die Standpunkte der Partei vertreten.

Fragen aus dem Publikum

Die weiteren Teilnehmer der Diskussion unter der Überschrift „Wem gehört die Stadt“ sind Dr. Stefan Birkner, Fraktionsvorsitzender FDP Nds. und ehemaliger Umweltminister, Peter Löck, Mobilitätsberater, Prof. Dr. Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management (CAM) und Christian Bebek, Leiter Verkehrsabteilung IHK Hannover. Das Besondere an der Podiumsdiskussion: Auch das Publikum bekommt die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Moderiert wird die Diskussion von Franz W. Rother, Chefradakteur des Magazins EDISON.

Keynote-Speaker Prof. Dr. Stefan Bratzel

DMT Arena
Professor Dr. Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management (CAM). Foto: CAM

Keynote-Speaker der Veranstaltung ist Professor Dr. Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch-Gladbach. Das Thema seines Vortrages lautet „Szenarien einer mobilen Zukunft – Thesen zur Zukunft der Autoindustrie und Mobilität“.

In diesem Vortrag wird Prof. Bratzel folgende Punkte analysieren:

  • Autoindustrie im Kampf der Welten (Mobility Provider/Big Data Player)
  • E-Mobilität: Die RIP – Erfolgsfaktoren – Reichweite-Infrastruktur-Preis/Markt- und Innovationsführer bei der E-Mobilität/ Szenarien
  • Die KoKoKO-Herausforderungen (Kompetenzen/Kooperationen/Kultur und Organisationstrukturen) in den Zukunftsfeldern (Connected Car, Autonomes Fahren und Mobility Services)
  • Connected Car und neue Geschäftsmodelle
  • Kundentrends und neue Mobilitätsdienstleistungen
  • Ökosysteme Dienstleistungen und Erfolgsbedingungen

Auftaktveranstaltung zum Deutschen Mobilitätstag

Die DMT Arena findet am 14. November ab 18 Uhr im Blauen Saal des HCC statt. Der Eintritt ist frei. Sie ist die Auftaktveranstaltung zum Deutschen Mobilitätstag im kommenden Jahr, der am 5. und 6. Juni im HCC stattfindet. Durch die Trilogie aus Ausstellung, Themenbühnen und Testfahrten erhalten die Geschäftsführer kleiner und mittlerer Unternehmen, Fuhrpark- und Mobilitätsmanager, Entscheider der Kommunen, HR-Manager, Handwerker als auch Privatkunden auf dem Deutschen Mobilitätstag Antworten auf die drängenden Mobilitätsfragen unserer Zeit und so eine klare Orientierung.

Zur Anmeldung zur DMT Arena geht es hier.

Mehr Informationen zum Deutschen Mobilitätstag finden Sie hier.

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Neuer OB Onay in Hannover: „Den Verkehr neu denken“

In Hannover wird sich nach der OB-Wahl in Sachen Mobilität einiges tun: Die DMT Arena widmet sich dem Thema am kommenden Donnerstag ab 18 Uhr im HCC.

Gestern hat der Grünen-Politiker Belit Onay die Oberbürgermeisterwahl in Hannover für sich entschieden. Damit dürfte sich auch in Sachen Mobilität in der Landeshauptstadt einiges ändern. „Wir müssen Verkehr neu denken und wollen mehr Mobilität bei weniger motorisiertem Individualverkehr erreichen. Andere Städte haben es bereits vorgemacht, jetzt kann Hannover gleichziehen und sich einen echten Standortvorteil verschaffen“, sagt Onay. „Ich will bis 2030 den Anteil des Radverkehrs auf 40 Prozent erhöhen und eine autofreie Innenstadt innerhalb des Cityrings schaffen.“

OB Onay Hannover
“Den Anteil des Radverkehrs auf 40 Prozent erhöhen”: Belit Onay, neuer Oberbürgermeister in Hannover. Foto: Onay

„Autofreie Innenstadt bis 2030“

Onay weiter: „Das Konzept basiert auf drei Säulen: Ich will den Anteil des Radverkehrs auf 40 Prozent erhöhen, bis 2030 die autofreie Innenstadt erreichen und – gemeinsam mit der Region – den ÖPNV ausbauen“, sagt Onay. Das Thema Verkehrswende stehe schon aus Klimaschutzgründen ganz oben auf der Agenda, mehr Radverkehr und mehr Bus und Bahn seien aber für eine moderne Großstadt grundsätzlich ein Gewinn, auch wirtschaftlich, meint Onay. „Wenn mehr Menschen auf das Rad oder den öffentlichen Nahverkehr umsteigen, profitieren alle: die Menschen, der Einzelhandel und die Umwelt – durch weniger Staus, bessere Luft, mehr Lebensqualität. Das Einkaufen und der Aufenthalt in der Innenstadt werden attraktiver durch mehr Platz für Menschen statt Fahrzeuge.“

„Wem gehört die Stadt?“

Im Rahmen der DMT Arena unter der Überschrift „Wem gehört die Stadt“ diskutieren am kommenden Donnerstag Dr. Stefan Birkner, Fraktionsvorsitzender FDP Nds. und ehemaliger Umweltminister, Peter Löck, Mobilitätsberater, Prof. Dr. Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management (CAM) und Christian Bebek, Leiter Verkehrsabteilung IHK Hannover, die Fragen der urbanen Mobilität im Allgemeinen und der Stadt Hannover im Speziellen. Das Besondere an der Podiumsdiskussion: Auch das Publikum bekommt die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Moderiert wird die Diskussion von Franz W. Rother, Chefradakteur des Magazins EDISON.

OB Onay Hannover
Keynote-Speaker bei der DMT Arena: Professor Dr. Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management (CAM)

Auftaktveranstaltung zum Deutschen Mobilitätstag

Die DMT Arena findet am 14. November ab 18 Uhr im Blauen Saal des HCC statt. Der Eintritt ist frei. Sie ist die Auftaktveranstaltung zum Deutschen Mobilitätstag im kommenden Jahr, der am 5. und 6. Juni im HCC stattfindet. Durch die Trilogie aus Ausstellung, Themenbühnen und Testfahrten erhalten die Geschäftsführer kleiner und mittlerer Unternehmen, Fuhrpark- und Mobilitätsmanager, Entscheider der Kommunen, HR-Manager, Handwerker als auch Privatkunden auf dem Deutschen Mobilitätstag Antworten auf die drängenden Mobilitätsfragen unserer Zeit und so eine klare Orientierung.

Zur Anmeldung zur DMT Arena geht es hier. Die Teilnahme ist kostenlos.

Mehr Informationen zum Deutschen Mobilitätstag finden Sie hier.

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„Hannover kann sich nicht erlauben, das Auto auszusperren“

DMT Arena am 14. November im HCC: IHK-Mitglied Christian Bebek diskutiert mit zum Thema „Wem gehört die Stadt?“

Unter der Überschrift „Wem gehört die Stadt?“ findet am 14. November im Hannover Congress Centrum (HCC) die DMT Arena statt. Im Rahmen dieser Abendveranstaltung werden Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft nicht nur über wichtige Fragen diskutieren, vor denen die individuelle Mobilität im urbanen Bereich heute und morgen im Allgemeinen steht; es geht auch ganz konkret um verkehrspolitische Fragen für die Stadt Hannover.

Einer der Teilnehmer an der Podiumsdiskussion ist Christian Bebek, Leiter der Verkehrsabteilung der IHK Hannover. Er plädiert für ein Vorgehen mit Augenmaß, wenn es darum geht, wie die Innenstadt sich wandeln soll. Für die Ausgabe 11 der „Niedersächsischen Wirtschaft“ hat er folgenden Beitrag verfasst, der seine Position in der Verkehrs- und Mobilitätsfrage für Hannover veranschaulicht:

„Raus aus der Konfliktzone“

„Der Oberbürgermeister-Wahlkampf in Hannover hat wieder einmal gezeigt, dass es kaum ein Thema gibt, das in einer Stadtgesellschaft mehr polarisiert als der Stadtverkehr. Jeder ist persönlich betroffen und damit Experte. Je nachdem, zu welcher Verkehrsfraktion man gehört, wird mal über zu viel Pkws, mal über rüpelige Radfahrer, regelmissachtende Fußgänger oder über unkomfortablen, überlasteten, teuren ÖPNV geschimpft. Der Stadtverkehr ist eine Konfliktzone erster Güte, weil die Mobilitätsbedürfnisse ständig wachsen, der Platz in der Stadt naturgemäß aber begrenzt bleibt.

“Für das Hinterland mitdenken”

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Christian Bebek, Leiter der Verkehrsabteilung der IHK Hannover. Foto: IHK

Die ewigen Autos-raus-Rufe liefern keine ausreichende Antwort auf die Anforderungen in einer aktiven Metropole wie Hannover, die für 100 Kilometer Hinterland mitdenken muss. Dass der hannoversche Einzelhandel ohne Kunden aus dem Umland kaum existieren könnte, weiß jeder. Außerdem wird die künftige Prosperität der Stadt vor allem davon abhängen, nicht nur als Einkaufs-, sondern auch als Arbeitsstandort für Arbeitnehmer aus einem weiten Umfeld attraktiv zu sein. Tatsächlich wohnen zwei Fünftel der täglich 160 000 Einpendler jenseits der Regionsgrenze. Dort ist der ÖPNV oft dünn, Busse und Bahnen bieten bisher keine realistische Alternative zum Auto.

“Der Stadtverkehr muss ökolgischer werden”

Hannover kann es sich gegenwärtig also nicht erlauben, das Auto auszusperren. Das ändert aber nichts daran, dass der Stadtverkehr effizienter und natürlich ökologischer werden muss. Dafür brauchen wir einen Plan, denn die Aufgaben sind gewaltig: Ausbau des ÖPNV- und Radwegenetzes, Aufbau der Ladeinfrastruktur, Schaffung zeigemäßen, gut erreichbaren, citynahen Parkraums, ein moderneres Wegweisungssystem, Optimierung des P+R-Angebots, neue logistische Konzepte für die Warenströme und noch vieles mehr.

“In den konstruktiven Dialog eintreten”

Die IHK hat in den letzten Monaten, zusammen mit der Handwerkskammer und vier Wirtschaftsverbänden, die „konzertierte Aktion Stadtverkehr“ ins Leben gerufen. Ziel ist es, die Konfliktzone zu verlassen und mit Rat und Verwaltung in einen konstruktiven Dialog über eine leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur einzutreten.

Zuletzt wurde viel über das Potenzial des Radfahrens diskutiert. Dies ist auch richtig, aber wenn man eine Tonne Altglas zu transportieren hat oder einen 3000-Quadratmeter-Supermarkt beliefern muss, bleibt ein Fahrrad das falsche Verkehrsmittel. Leitbild für einen „Masterplan Stadtverkehr“ muss ein leistungsfähiges Gesamtsystem sein, in dem jeder Verkehrsträger zu seinem Recht kommt“.

Prof. Stefan Bratzel spricht

Weitere Teilnehmer an der Podiumsdiskussion sind Dr. Stefan Birkner, Fraktionsvorsitzender FDP Niedersachsen und ehemaliger Umweltminister, der Mobilitätsberater Peter Löck sowie Professor Dr. Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch-Gladbach und bekannt als Mobilitätsexperte bei ARD und ZDF. Professor Stefan Bratzel ist gleichzeitig der Keynote-Speaker der Veranstaltung. Er spricht zum Thema „Szenarien einer mobilen Zukunft“.

Beginn der Veranstaltung im Blauen Saal des HCC ist um 18 Uhr, der Eintritt ist frei. Um Voranmeldung wird gebeten.

Weitere Infos zur DMT Arena am 14. November um 18 Uhr im Blauen Saal des HCC finden Sie hier.

Umdenken

Die Zukunft ist elektrisch oder: Was ist der gebrauchte Verbrenner dann noch wert?

Elektroauto oder Verbrenner: Auf welche Technologie soll man setzen, wenn der Umbruch naht?

War früher alles besser, wie so mancher behauptet? Das ist doch sehr zu bezweifeln. Nahezu alle Rahmenbedingungen rund um den Menschen haben sich verbessert: durchschnittliche Lebenserwartung, medizinische Versorgung, Einkommen, Kindersterblichkeit, um nur einige zu nennen. Ewiggestrige verwechseln da bisweilen die Begrifflichkeiten und meinen eigentlich, dass früher vieles einfacher war. Doch auch daran kann man zweifeln, denkt man nur an Information, Kommunikation, Mobilität et cetera.

Nein, früher hatte man einfach nicht so viel Auswahl, musste nicht so viele Entscheidungen treffen, unterlag gesellschaftlichen und familiären Zwängen, konnte vieles gar nicht selbstständig entscheiden. Das ist heute anders. Seit den 68ern haben die Freiheiten des Individuums stetig zugenommen – und damit die Wahlmöglichkeiten. Und die können schon überfordern. Man denke nur an den Kauf eines Autos.

Unzählige Fragen statt schneller Entscheidungen

Das beginnt heute schon bei der Frage, ob man überhaupt eines benötigt – insbesondere in Großstädten. Und wenn ja begibt man nicht mehr einfach zum Händler seines Vertrauens und der von ihm vertretenen Marke. Und wählt vielleicht noch die Fahrzeuggröße und Benziner (Wenigfahrer) oder Diesel (Vielfahrer) – fertig. Das war einmal.

Verbrenner
Kann man den Verbrenner in zehn Jahren noch gut verkaufen? Foto: pixabay

Heute hingegen gilt es, zunächst unzählige Fragen zu beantworten, bevor man Modelle überhaupt näher ins Auge fasst. Angefangen bei der Marke (ist VW wegen deren Abgasbetrügereien noch kaufbar?) über das Für und Wider zwischen Verbrennern und E-Antrieben (und da: Hybrid, Plug-in-Hybrid, Elektro?). Es kommen Fragen nach Abgaswerten (nein, der Diesel ist nicht immer unterlegen – siehe Norm 6d-TEMP), Preisen (und Preisdifferenzen), Reichweiten, Restwerten und Wiederverkaufschancen, Lieferfristen, Umweltbilanzen (Produktion, Stromquellen). Die einstigen großen Variablen Fahrzeuggröße, Ausstattung und Farbe werden da zur Nebensache. Und letztlich sollte ja auch das Design überzeugen.

Das E-Auto hat in allen Bereichen aufgeholt

Das Grundproblem aber ist, dass die Welt sich immer schneller zu drehen scheint – und damit die Möglichkeit sicherer Prognosen schwindet. War vor einem Jahr der Benziner noch der klare Favorit und hatte in Sachen Preis, Reichweite, Modellvielfalt, Werthaltigkeit die Nase vorn, so hat das reine E-Auto (BEV) seitdem enorm aufgeholt. Mit Reichweiten von mehr als 400 Kilometern, immer verlässlicheren Daten zur Gesamt-Umweltbilanz, preisgünstigeren Modellen beziehungsweise höheren Zuschüssen und prognosefähigen Restwerten haben die Stromer jetzt schon enorm aufgeholt. Und ab dem kommenden Jahr wird sich auch die Modellvielfalt deutlich erweitern.

Bekomme ich in 10 Jahren ein Restwertproblem?

Was zu der Frage führt: Bekomme ich vielleicht mit einem heute gekauften Benziner in zehn Jahren ein Restwertproblem, weil keiner mehr die veraltete Technik haben will? Denn es wäre ja möglich, dass ein Akku dann problemlos 600 Kilometer schafft und in zehn Minuten geladen ist, dass es genügend Ladepunkte gibt, dass Städte für Verbrenner dicht gemacht haben und es eine Frist gibt, wie lange diese noch verkauft werden dürfen. Wer kauft sie dann also noch gebraucht?

Verbrenner
Hat der VW ID.3 das Potenzial, den Automarkt umzukrempeln? Foto: VW

Was auch für den (älteren) Stromer gilt. Ein Beispiel: VW hat nun die letzten E-Golf mit sehr hohen Rabatten abverkauft, und es soll vorgekommen sein, dass ein Händler das Restwertrisiko beim Leasing nicht mehr tragen wollte, denn in drei Jahren gibt es ja den ID.3 schon in höheren Stückzahlen und andere E-Modelle aus dem gleichen Hause. Wer kauft dann einen gebrauchten E-Golf mit veralteter Technik?

Das BEV ist die Zukunfstperspektive

Denn wie die E-Mobilität der Zukunft aussehen dürfte, lässt sich an den Daten des Mercedes EQ S ablesen, der in etwa zwei Jahren auf den Markt kommt. 700 Kilometer Reichweite, geladen mit 350 kW in 20 Minuten (80 Prozent) und so völlig anders als man es gewohnt ist.

Fest steht: Die Zukunft wird elektrisch sein. Bisherige Probleme wie Ladepunkte (zu wenig), Laden in Mehrparteienhäusern, Ladegeschwindigkeit, Umweltprobleme beim Abbau von Lithium und Kobalt dürften in einigen Jahren überwunden sein. Schon heute sehen Mobilitätsexperten und Wissenschaftler wie Martin Doppelbauer vom KIT Karlsruhe das BEV als DIE Zukunftsperspektive – und im Umkehrschluss den Verbrenner als die Technologie, die in den Hintergrund treten wird.

Der Turnaround ist in Sicht

Der Turnaround könnte kommen, wenn die drei kritischen Punkte überwunden sind: Reichweite, Infrastruktur und Preis. Es zeichnet sich ab, dass dies bald geschehen wird.

So könnte es also bald nicht mehr um die Frage gehen: Verbrenner oder E-Auto? Sondern darum, dass der Strommix grüner wird, damit das E-Auto seine Klima-Vorteile auch ausspielen kann. Denn das ist ja, was letztlich zählt: möglichst wenig CO2 zu emittieren. Denn die Natur verhandelt nicht. Titelfoto: pixabay