Der EQC startet Anfang 2019

Brennstoffzelle und Elektroantrieb: Daimler hat viel vor

Mercedes gibt einen Ausblick in seine nahe Modellzukunft: Ohne zumindest teilweisen Elektroantrieb – auch mit Brennstoffzelle – wird es unter dem Stuttgarter Stern schon bald überhaupt nicht mehr gehen.

Zu Preisen ab 71.281 Euro ist ab sofort der Mercedes EQC bestellbar. Ausgeliefert wird das elektrisch angetriebene Mittelklasse-SUV ab dem Sommer. Daimler startet damit den Reigen der elektrisch angetriebenen Fahrzeuge, die in den nächsten Jahren kommen sollen.

Dabei geht es nicht nur um rein batterieelektrische Fahrzeuge wie den EQC, Daimler kommt mit einem Modell auf Pläne zurück, die schon längst hätten realisiert sein sollen, berücksichtigt man die Planungen des Konzerns von rund um die Jahrtausendwende. GLC F-Cell Hybrid heißt der Wagen, der mit einer Brennstoffzelle ausgerüstet ist. Diese produziert an Bord aus getanktem Wasserstoff und dem Sauerstoff der Luft elektrische Energie. Zusätzlich ist im Auto dasselbe Akkupaket untergebracht, mit dem Daimler auch seine anderen Plug-in-Hybridmodelle ausstattet. Wegen dieser zwei Energiequellen trägt auch dieses Modell nun den Beinamen Hybrid – man benötige die aufladbaren Akkus, um dem Auto das Beschleunigungsverhalten vom Start weg zu geben, das der Kunde heute erwarte, heißt es.

Brennstoffzelle: Nur Wasser als Emission

Auf jeden Fall erfüllt der GLC F-Cell Hybrid selbst die allerschärfsten künftig denkbaren Klimaschutzregeln, denn sein CO2-Ausstoß beträgt null Gramm pro Kilometer, ganz wie bei einem klassischen Elektroauto, das sich ausschließlich auf Batterien verlässt. Das Endprodukt einer Brennstoffzelle ist nämlich nichts als Wasserdampf. „Wir brauchen alternative Antriebsformen“, sagt Daimler-Ingenieur Jochen Strenkert, der im Konzern genau dafür zuständig ist. „Die CO2-Ziele werden immer anspruchsvoller, und mit herkömmlichen Antrieben lassen sie sich nicht mehr erfüllen.“

Das Problem am Auto mit Brennstoffzelle ist jedoch nach wie vor der Brennstoff. Wasserstoff ist zwar das am häufigsten vorkommende Element überhaupt, jedoch liegt er immer nur gebunden vor, etwa in Wasser. Wasserstoff aus Wasser und aus anderen Verbindungen herauszulösen erfordert einen hohen Energieeinsatz, außerdem muss flüssiger Wasserstoff bei extrem tiefen Temperaturen gelagert werden, im gasförmigen Zustand ist er flüchtig. Und hochexplosiv ist er auch.

Zu wenige Tankstellen

Und natürlich stellt sich ein enormes Henne-Ei-Problem: Weil es kaum Brennstoffzellen-Autos gibt (bislang bieten nur Hyundai und Toyota je ein Modell an), gibt es auch nur wenige Wasserstofftankstellen, es sind exakt 51 in Deutschland. Weil es so wenige Tankstellen gibt, ist die Vorstellung, ein Brennstoffzellenauto zu fahren, nicht sehr attraktiv. Daimler geht trotzdem den Schritt mit dem GLC F-Cell Hybrid, verkauft das Auto seinen Kunden aber nicht, sondern vermietet es über vier Jahre für 800 Euro plus Mehrwertsteuer pro Monat.

Wer nicht in den Großstädten Berlin, Hamburg, München, Frankfurt, Düsseldorf oder Stuttgart wohnt, kommt aber nicht zum Zug, der wenigen Tankstellen wegen. Am Ende wird die Stückzahl des GLC F-Cell Hybrid maximal vierstellig sein, und man kann sich auch vorstellen, dass unter diesen Voraussetzungen die exakt 799 Euro pro Monat nicht die Kosten des Herstellers decken – zumal auch noch Wartungs- und Reparaturarbeiten in der Rate enthalten sind.

Weniger Rohstoffe werden benötigt

Dennoch träumt Daimler den Traum von der Wasserstoff-Wirtschaft weiter, denn mit Wasserdampf als „Abgas“ wären wirklich viele Probleme gelöst. Immerhin: Die aktuelle Brennstoffzelle ist schon viel kleiner als die des früheren Versuchsmodells auf Basis der B-Klasse. Außerdem haben die Ingenieure es geschafft, die Menge des benötigten Platins um 90 Prozent zu verringern, und das Fahrgefühl des 211 PS starken Elektromotors mit seinen 365 Newtonmetern Drehmoment ist angenehm, wenn auch nicht überbordend temperamentvoll. Die Reichweite beträgt nach Norm 478 Kilometer, wovon 51 Kilometer auf die Plug-in-Akkus entfallen, und man muss so etwa mit einem Realverbrauch von einem Kilogramm Wasserstoff (ca. 10 Euro) auf 100 Kilometer rechnen – die Tankfüllung kostet dann knapp 45 Euro, der Tankvorgang dauert etwas unter drei Minuten.

Das wäre der ganz große Fortschritt, der vielleicht erst erreicht wird, wenn das erste Ziel abgehakt werden kann. „Bis 2025 wollen wir 15 bis 25 Prozent der verkauften Pkw rein elektrisch antreiben“, sagt Jochen Strenkert. Die große Bandbreite von 15 bis 25 Prozent rührt daher, dass das Ganze nicht nur abhängig ist von der Kundenakzeptanz und den Preisen, sondern auch vom Ausbau der Lade-Infrastruktur.

EQC ab 84.930 Euro zum Start

Doch zurück zum eingangs erwähnten EQC: Für das laufende Jahr und 2020 rechnet Mercedes damit, dass die Nachfrage das Angebot deutlich übersteigt; wie viele Fahrzeuge in diesem Zeitraum im Werk Bremen gebaut werden, sagt der Hersteller jedoch nicht. Zum Start gibt es den 300 kW/408 PS starken Allradler für 84.930 Euro als Sondermodell „Edition 1886“, das an den Mercedes Patent-Motorwagen aus dem gleichen Jahr erinnern soll. Zur Ausstattung zählen unter anderem Design-Aufwertungen wie 20-Zoll-Räder und zweifarbige Polster, dazu kommen ein Burmester-Soundsystem und ein Servicepaket, das unter anderem Hol- und Bringdienst sowie eine Garantieverlängerung umfasst.

Der Mercedes tritt unter anderem gegen Audi E-Tron, Jaguar I-Pace und Tesla Model X an. In diesem Quartett ist der Stuttgarter um mindestens einige Tausend Euro der günstigste. Daher hat Mercedes nicht nur im Mai 2019 den EQC als erstes Elektro-SUV auf den Markt gebracht, sondern baut Batterien in praktisch jedes Auto ein. So werden die Pkw zum Beispiel zu sogenannten Mild-Hybriden, die nicht elektrisch fahren können, aber durch einen sogenannten integrierten Startergenerator beim Beschleunigen elektrische Energie hinzufügen und beim Abbremsen einen Teil der verloren gehenden Bewegungsenergie in Akkus zwischenspeichern. Das wird nach und nach die Basis aller Mercedes-Motoren sein.

Geplant: Plug-in-Hybrid mit Dieselmotor

Gleichzeitig wird die Plug-in-Hybridflotte ausgebaut, und das interessanteste Fahrzeug ist hier zweifellos der C 300 de, ein Plug-in-Hybrid mit Dieselmotor. Elektro und Diesel sind auch schon bei Volvo und Peugeot/Citroen zusammengeführt worden, große Erfolge wurden damit bislang aber nicht erzielt. Daimler setzt nun auf eine leichte Anhebung der Elektroreichweite (57 Kilometer) und vor allem auf einen optimierten Komfort beim Zuschalten des Dieselmotors.

Der 122 PS starke Elektromotor kann das Auto bis etwa 130 km/h allein antreiben, in der Stadt ruht der Diesel eigentlich immer. Es sei denn, man tritt kräftiger aufs Gas – dann werden aus den rund 300 Newtonmetern, die der E-Motor zur Verfügung stellt, plötzlich bis zu 700. Man sollte die neuen „de“-Modelle von Mercedes jedenfalls genau beobachten – auch natürlich ihre Preisgestaltung. Heute steht ihr Preis noch genauso wenig fest wie der des EQC, teurer als herkömmliche Modelle aber müssen die elektrifizierten Mercedes werden.

S-Klasse als Plug-in-Hybrid

Das zeigt schon ein Blick auf den Preis des neuen S 560 e, einer S-Klasse mit Benzin-Sechszylinder und Plug-in-Hybrid. Während der normale S 500, der auch einen drei Liter großen Sechszylinder hat, an den aber nur ein Mild-Hybridsystem angedockt ist, 103.690 Euro kostet, wird es den S 560 e erst ab knapp 114.320 Euro geben. Damit übertrifft er sogar leicht den Preis des herkömmlichen S 560, der immerhin einen V8 unter der Haube trägt.

Richtig dramatisch wird der Preisaufschlag, wenn man sich einen rein elektrischen Smart zulegen will: Das herkömmliche Basismodell kostet 11.165 Euro, für einen Smart EQ fortwo mit 160 Kilometer Reichweite muss man aber 21.940 Euro investieren, also fast das Doppelte. Dennoch will Daimler ab 2020 europaweit nur noch elektrisch angetriebene Smart verkaufen.

So lautet das Fazit: Elektro-Fortschritt ist auf allen Ebenen möglich, aber er kostet auf allen Ebenen auch (viel) Geld. Stefan Anker/SP-X/Foto: Daimler

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Der Mercedes EQC kommt: Erste Fahreindrücke von dem Stromer

Mercedes startet im Sommer mit dem EQC seine E-Offensive. Doch wie so oft kann das Elektroauto nicht alle Versprechen halten.

Während hierzulande Elektrozapfsäulen meist leer stehen oder von Verbrennern zugeparkt sind, herrschen in Oslo andere Zustände. Wer durch das am Flughafen angrenzende Parkhaus schreitet, sieht dutzende von Stromern dort am Kabel hängen. Tesla, e-tron, Kona, I-Pace, i3, e-Golf, Leaf und Zoe. Norwegen ist Elektronation Nummer eins, weltweit. Und für Mercedes der ideale Ort, hier sein erstes SUV mit Stromantrieb vorzustellen, den EQC.

EQC: Der Erste von vielen

Er bildet den Auftakt zu einer ganzen Elektrofamilie, die der Stuttgarter Konzern bis Ende 2022 auf die Räder stellen will. Mit einer Länge von 4,76 Meter überragt der EQC sein „Schwestermodell“ GLC nur um wenige Zentimeter. Grund ist die andere Karosseriegestaltung und die neue Front, die unmissverständlich zeigen soll: Hier steckt kein Verbrennungsmotor mehr unter der Haube. Technisch aber teilt sich der EQC die Plattform mit dem GLC, läuft sogar vom selben Montageband in Bremen. Lediglich wenn die fast 700 Kilo schwere Batterie eingesetzt wird, schwenkt der EQC kurz aus.

471 Kilometer Reichweite?

Um den Stromspeicher dreht sich in der Elektromobilität so gut wie alles. Derzeit versuchen die Hersteller, so viel Energieinhalt wie nur irgend möglich ins Auto zu bekommen, um vor allem ein Problem zu mildern: die Reichweitenangst des Kunden. Gefragt wird nicht wie früher nach Leistung und Höchstgeschwindigkeit, bei einem Elektroauto lautet stets die erste Frage: Wie weit komme ich damit? Mercedes gibt bis zu 471 Kilometer an. Doch leider gehören diese unter sehr günstigen Bedingungen ermittelten Normwerte in die Welt der Märchen.

Der Winter zehrt am Akku

Kühlere Temperaturen, die eingeschaltete Klimaanlage oder Heizung und auch eine etwas forschere Fahrweise lassen die Reichweite im Alltag arg schrumpfen. Ohne Umschweife und Beschönigungen gibt der Chefingenieur des EQC, Michael Kelz, einen realitätsnahen Anhaltspunkt, denn er hat den EQC bereits länger getestet, ihn durch alle Jahreszeiten gefahren. „Um die 360 Kilometer im Sommer, zirka 270 Kilometer im Winter“, sagt Kelz. Ein ähnliches Ergebnis liefert uns der Bordcomputer, er zeigt einen Verbrauch von 25 kWh/100 km an -in Oslo sind es an diesem Tag nur kühle zehn Grad Celsius. 80 kWh an Kapazität besitzt der Akku. Er wäre also nach 320 Kilometern leer – bei gleichbleibender Fahrweise.

Schlaue Software an Bord

Um hier noch mehr herauszuholen wird Mercedes jedem EQ-Modell – die Abkürzung steht übrigens für „Electric Intelligence“ – eine äußerst schlaue Software mit auf den Weg geben. Das Navi kennt exakt das Streckenprofil und die Verkehrsverhältnisse bis zum Zielort und passt Rekuperation und Fahrweise entsprechend an. Sollte unterwegs ein Ladestopp nötig sein, zeigt das System an, wieviel Strom nachgeladen werden muss, um mit genügend Restenergie ans Ziel zu kommen. Die Reise lässt sich auch vorab bequem von zu Hause aus planen und ins Auto senden.

Nötig für zu Hause: die Wallbox

Das Navi kennt exakt das Streckenprofil und die Verkehrsverhältnisse bis zum Zielort. Fotos: Mercedes

So hilfreich eine große Batterie für die Reichweite sein mag, zu Hause wird es ohne eine leistungsfähige Wallbox unmöglich, den EQC über Nacht wieder vollzuladen. Die normale Steckdose bräuchte 40 Stunden. Auf neun bis zehn Stunden reduziert sich die Zeit mit einer Wallbox, auf nur 40 Minuten gar, wenn Gleichstrom fließt, wie er an den Super-Chargern an den Autobahnen und an manchen öffentlichen Ladesäulen in der Stadt zu bekommen ist. Allerdings müssen auch hier alle Voraussetzungen stimmen, beispielsweise eine Batterietemperatur von gut 30 Grad Celsius. Nur dann können die Zellen die 110 kW Ladestrom, die Mercedes als Maximum für den EQC angibt, auch verdauen. Zudem gelten die 40 Minuten nur bis zu einem Ladezustand von 80 Prozent.

Ein Motor vorne und einer hinten

Angetrieben wird der EQC von zwei Elektromotoren mit jeweils 150 kW/204 PS, wobei der hintere auf schnelle Leistungsentfaltung, der vordere dagegen auf Effizienz und Rekuperation ausgelegt wurde. Zusammen schicken beide also 300 kW/408 PS zu den Rädern und liefern ein Drehmoment von beachtlichen 760 Newtonmeter. Beides macht den EQC, trotz seiner immerhin 2,5 Tonnen Gewicht, nicht nur zu einem souveränen Gleiter, sondern, wenn es sein muss, auch zu einem sportlichen Gesellen. Bedingt durch den tiefen Schwerpunkt geht der EQC äußerst knackig ums Eck. Noch beeindruckender ist allerdings die unglaubliche Ruhe in diesem Elektro-SUV. Während Audi seinen e-tron bei niedrigem Tempo ein wenig wie eine Straßenbahn „heulen“ lässt – vermutlich, um zu erinnern, dass man in einem Elektroauto sitzt –, dringen beim Mercedes keine Geräusche ans Fahrerohr. Besonders der hintere Elektromotor und die Radhäuser wurden extrem aufwändig gedämmt.

In Deutschland förderungswürdig

Preislich positionieren die Stuttgarter ihr mittlerweile zehntes Elektroauto -den Anfang machte 2009 der Smart – gut 8.000 Euro unterhalb der beiden Hauptkonkurrenten Jaguar I-Pace und Audi e-tron. Doch damit nicht genug. Die 71.281 Euro entsprechen einem Nettopreis von 59.900 Euro, womit der EQC in Deutschland förderungsfähig wird und der Kunde 4.000 Euro Prämie kassieren kann.

Dies und die neue 0,5-Prozent-Dienstwagenregelung, so glaubt Mercedes, dürften viele Kunden in diesem Segment dazu animieren, auf Elektromobilität umzuschwenken. Die Bestellbücher sind seit dem 6. Mai geöffnet, die ersten Auslieferungen werden für den Sommer versprochen. Allerdings: Angeblich sollen die meisten noch in diesem Jahr produzierten EQC schon verkauft sein – nach Norwegen. Michael Specht/SP-X

Technische Daten:

Fünftüriges, fünfsitziges SUV mit Allradantrieb, Länge: 4,76 Meter, Breite: 1,88 Meter, Höhe: 1,62 Meter, Radstand: 2,87 Meter, Kofferraumvolumen: ca. 500 Liter Antrieb: 2 Asynchron-Maschinen: 300 kW/408 PS in, maximales Drehmoment: 760 Nm, 0-100 km/h: 5,1 s, Vmax: 180 km/h (abgeregelt), Durchschnittsverbrauch: 19,7 bis 20,8 kWh/100 km, CO2-Ausstoß: 0 g/km, Batteriekapazität: 80 kWh, Reichweite 445 – 471 km, Preis: 71.281 Euro