Mit knapp 39.000 verkauften Einheiten in Europa rangiert der Renault Zoe in der Stromer-Statistik zusammen mit dem Konzern-Bruder Nissan Leaf ganz oben

Renault Zoe: Mehr Reichweite und schnelleres Laden

Das Elektroauto Zoe hat Renault nun einem Update unterzogen, um ihn gegen die wachsende Konkurrenz fit zu machen. Auch der Nissan Leaf erfuhr Neuerungen.

Mit einem umfangreichen Upgrade will sich der Renault Zoe gegen die wachsende Konkurrenz im Segment der elektrischen Stadtautos wappnen. Hauptargument: Im neuen Zoe steckt mit bis zu 52 kWh mehr Energie, die für 390-WLTP-Kilometer reichen soll. Ob es den Zoe künftig auch mit einer günstigeren, kleineren Batterie geben wird, ist noch nicht bekannt.

Fest stehen zumindest schon mal zwei verschiedene Motoren: Die Kunden dürfen sich zwischen 80 kW/108 PS und 100 kW/135 PS entscheiden, das neue Basis-Modell markierte bisher die Top-Version. Beim 135-PS-Motor ist der Durchzug nochmals besser, das in der Stadt erlaubte Maximaltempo von 50 km/h erreicht er in 3,6 statt 3,9 Sekunden und beim Hundertersprint ist er mit 9,4 Sekunden sogar knapp zwei Sekunden schneller. Bei der V-Max gibt es mit 135 beziehungsweise 140 km/h dagegen nur einen geringen Unterschied.

Im B-Modus nicht mehr bremsen

Das zehn Zoll große, digitale Kombiinstrument ist immer an Bord. Fotos: Renault

Neu ist im Zoe der B-Modus: Der lässt sich mit den Gangwahlhebel einlegen und verstärkt die Rekuperation so, dass sich nun auch der Renault quasi nur mit dem Fahrpedal steuern lässt. Nimmt man den rechten Fuß vom Gas, soll der Zoe allein durch die Energierückgewinnung so stark verzögern, dass man nur selten das Bremspedal benötigt. Der Lade-Anschluss versteckt sich wie gehabt hinter dem Renault-Logo an der Schnauze, erstmals jedoch gibt es für das Schnellladen einen CCS-Anschluss, über den der Zoe 50-kW-Gleichstrom tankt.

Mehr Assistenten

Dazu gibt es neue Assistenten: Der Renault erkennt Verkehrsschilder, schaltet das serienmäßige LED-Licht automatisch zwischen Abblend- und Fernlicht um, warnt vor Autos im toten Winkel, hält die Spur, parkt automatisch ein und tritt im Ernstfall auch von allein auf die Bremse. Abgerundet wird das Lifting von einem deutlich aufgewerteten Cockpit mit besseren Materialien, weichen Oberflächen und auf Wunsch feinem Recyling-Gewebe sowie einem leicht aufpolierten Äußeren. Am Heck fallen die neuen, filigran gezeichneten Rücklichter auf, die Front glänzt mit Blink-Blink-Dekor und einem neuen Kühlergrill.

Im September auf dem Markt

Mit dem Preis hält Renault noch hinterm Berg. Aktuell ist der Zoe inklusive der kleinsten verfügbaren Batterie (22 kWh) für 29.900 Euro zu haben. Den größeren Stromspeicher mit derzeit 41 Kilowattstunden Kapazität gibt es für 35.900 Euro. Im September kommt der Kleinwagen mit größerem Akku, stärkerem Motor und gelifteter Optik zum Händler.

Nissan Leaf: 385 Kilometer Reichweite

Der Nissan Leaf schafft nun 385 Kilometer. Foto: Nissan

Nissan bietet das Elektroauto Leaf ab sofort in einer neuen Version mit größerer Batterie an. Bei der Variante „e+“ wächst der Akku von regulär 40 kWh auf 62 kWh, wodurch die Reichweite um rund 100 Kilometer auf 385 Kilometer (WLTP) steigt. Zusätzlich erstarkt der E-Motor, der nun 160 kW/217 PS statt 110 kW/150 PS leistet. Der Preis für Top-Variante des Leaf liegt bei 44.700 Euro.

Neben dem optionalen Reichweiten-Plus gibt es zum neuen Modelljahr weitere Änderungen, die vor allem die Ausstattung und das Modellangebot betreffen. Unter anderem fällt die bisherige Einstiegsvariante für knapp 32.000 Euro aus dem Programm, die Preisliste startet nun mit einem besser ausgestatteten Modell bei 36.800 Euro. Unter anderem sind nun immer Navigationssystem, Leichtmetallfelgen und Tempomat an Bord. hm/SP-X

Nach dem Auto wollen Aachener Forscher auch das Flugzeug elektrifizieren

Leise und umweltverträglich: Das Silent Air-Taxi

Wenn auf den Straßen kein Platz mehr ist, verlagert sich der Verkehr dann in die Luft? Mit dem “Silent Air-Taxi” stellt das schon bald kein Problem mehr dar.

Forscher der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule in Aachen haben ein elektrohybrides Kleinflugzeug entwickelt, das bereits 2024 einsatzbereit sein soll. “Silent Air-Taxi” heißt dieses und könnte perfekt als Schnellverbindung zwischen zwei Städten fungieren, denn die Reichweite beträgt satte 1000 Kilometer.

Verlagert sich Verkehr in die Luft?

Dabei erreicht das Air Taxi eine Höchstgeschwindigkeit von 300 Kilometern pro Stunde. Laut den Forschern verursacht die Maschine nur in sehr geringem Umfang Lärm. Mittlerweile arbeiten zahlreiche Start-Ups und Großkonzerne wie Daimler, BMW, Airbus und Boeing an ähnlichen Fortbewegungsmitteln.

Ist das die Zukunft?

Vor allem im Bereich autonomer Drohnen, die Passagiere über kleine Strecken transportieren können, bewegt sich viel. Erst im Januar sorgte der Flugzeugbauer Boeing für Schlagzeilen, da die autonom fliegende Drohne PAV einen erfolgreichen Testflug absolvieren konnte. Boeing setzt dabei genau wie Airbus auf VTOL-Modelle. Sprich Flugzeuge, die zuerst senkrecht starten und sich dann in den Vorwärtsflug begeben können. Ob es sich dabei um Zukunftsmusik oder baldige Realität handelt bleibt abzuwarten. (nma/SP-X)

Der EQC startet Anfang 2019

Brennstoffzelle und Elektroantrieb: Daimler hat viel vor

Mercedes gibt einen Ausblick in seine nahe Modellzukunft: Ohne zumindest teilweisen Elektroantrieb – auch mit Brennstoffzelle – wird es unter dem Stuttgarter Stern schon bald überhaupt nicht mehr gehen.

Zu Preisen ab 71.281 Euro ist ab sofort der Mercedes EQC bestellbar. Ausgeliefert wird das elektrisch angetriebene Mittelklasse-SUV ab dem Sommer. Daimler startet damit den Reigen der elektrisch angetriebenen Fahrzeuge, die in den nächsten Jahren kommen sollen.

Dabei geht es nicht nur um rein batterieelektrische Fahrzeuge wie den EQC, Daimler kommt mit einem Modell auf Pläne zurück, die schon längst hätten realisiert sein sollen, berücksichtigt man die Planungen des Konzerns von rund um die Jahrtausendwende. GLC F-Cell Hybrid heißt der Wagen, der mit einer Brennstoffzelle ausgerüstet ist. Diese produziert an Bord aus getanktem Wasserstoff und dem Sauerstoff der Luft elektrische Energie. Zusätzlich ist im Auto dasselbe Akkupaket untergebracht, mit dem Daimler auch seine anderen Plug-in-Hybridmodelle ausstattet. Wegen dieser zwei Energiequellen trägt auch dieses Modell nun den Beinamen Hybrid – man benötige die aufladbaren Akkus, um dem Auto das Beschleunigungsverhalten vom Start weg zu geben, das der Kunde heute erwarte, heißt es.

Brennstoffzelle: Nur Wasser als Emission

Auf jeden Fall erfüllt der GLC F-Cell Hybrid selbst die allerschärfsten künftig denkbaren Klimaschutzregeln, denn sein CO2-Ausstoß beträgt null Gramm pro Kilometer, ganz wie bei einem klassischen Elektroauto, das sich ausschließlich auf Batterien verlässt. Das Endprodukt einer Brennstoffzelle ist nämlich nichts als Wasserdampf. „Wir brauchen alternative Antriebsformen“, sagt Daimler-Ingenieur Jochen Strenkert, der im Konzern genau dafür zuständig ist. „Die CO2-Ziele werden immer anspruchsvoller, und mit herkömmlichen Antrieben lassen sie sich nicht mehr erfüllen.“

Das Problem am Auto mit Brennstoffzelle ist jedoch nach wie vor der Brennstoff. Wasserstoff ist zwar das am häufigsten vorkommende Element überhaupt, jedoch liegt er immer nur gebunden vor, etwa in Wasser. Wasserstoff aus Wasser und aus anderen Verbindungen herauszulösen erfordert einen hohen Energieeinsatz, außerdem muss flüssiger Wasserstoff bei extrem tiefen Temperaturen gelagert werden, im gasförmigen Zustand ist er flüchtig. Und hochexplosiv ist er auch.

Zu wenige Tankstellen

Und natürlich stellt sich ein enormes Henne-Ei-Problem: Weil es kaum Brennstoffzellen-Autos gibt (bislang bieten nur Hyundai und Toyota je ein Modell an), gibt es auch nur wenige Wasserstofftankstellen, es sind exakt 51 in Deutschland. Weil es so wenige Tankstellen gibt, ist die Vorstellung, ein Brennstoffzellenauto zu fahren, nicht sehr attraktiv. Daimler geht trotzdem den Schritt mit dem GLC F-Cell Hybrid, verkauft das Auto seinen Kunden aber nicht, sondern vermietet es über vier Jahre für 800 Euro plus Mehrwertsteuer pro Monat.

Wer nicht in den Großstädten Berlin, Hamburg, München, Frankfurt, Düsseldorf oder Stuttgart wohnt, kommt aber nicht zum Zug, der wenigen Tankstellen wegen. Am Ende wird die Stückzahl des GLC F-Cell Hybrid maximal vierstellig sein, und man kann sich auch vorstellen, dass unter diesen Voraussetzungen die exakt 799 Euro pro Monat nicht die Kosten des Herstellers decken – zumal auch noch Wartungs- und Reparaturarbeiten in der Rate enthalten sind.

Weniger Rohstoffe werden benötigt

Dennoch träumt Daimler den Traum von der Wasserstoff-Wirtschaft weiter, denn mit Wasserdampf als „Abgas“ wären wirklich viele Probleme gelöst. Immerhin: Die aktuelle Brennstoffzelle ist schon viel kleiner als die des früheren Versuchsmodells auf Basis der B-Klasse. Außerdem haben die Ingenieure es geschafft, die Menge des benötigten Platins um 90 Prozent zu verringern, und das Fahrgefühl des 211 PS starken Elektromotors mit seinen 365 Newtonmetern Drehmoment ist angenehm, wenn auch nicht überbordend temperamentvoll. Die Reichweite beträgt nach Norm 478 Kilometer, wovon 51 Kilometer auf die Plug-in-Akkus entfallen, und man muss so etwa mit einem Realverbrauch von einem Kilogramm Wasserstoff (ca. 10 Euro) auf 100 Kilometer rechnen – die Tankfüllung kostet dann knapp 45 Euro, der Tankvorgang dauert etwas unter drei Minuten.

Das wäre der ganz große Fortschritt, der vielleicht erst erreicht wird, wenn das erste Ziel abgehakt werden kann. „Bis 2025 wollen wir 15 bis 25 Prozent der verkauften Pkw rein elektrisch antreiben“, sagt Jochen Strenkert. Die große Bandbreite von 15 bis 25 Prozent rührt daher, dass das Ganze nicht nur abhängig ist von der Kundenakzeptanz und den Preisen, sondern auch vom Ausbau der Lade-Infrastruktur.

EQC ab 84.930 Euro zum Start

Doch zurück zum eingangs erwähnten EQC: Für das laufende Jahr und 2020 rechnet Mercedes damit, dass die Nachfrage das Angebot deutlich übersteigt; wie viele Fahrzeuge in diesem Zeitraum im Werk Bremen gebaut werden, sagt der Hersteller jedoch nicht. Zum Start gibt es den 300 kW/408 PS starken Allradler für 84.930 Euro als Sondermodell „Edition 1886“, das an den Mercedes Patent-Motorwagen aus dem gleichen Jahr erinnern soll. Zur Ausstattung zählen unter anderem Design-Aufwertungen wie 20-Zoll-Räder und zweifarbige Polster, dazu kommen ein Burmester-Soundsystem und ein Servicepaket, das unter anderem Hol- und Bringdienst sowie eine Garantieverlängerung umfasst.

Der Mercedes tritt unter anderem gegen Audi E-Tron, Jaguar I-Pace und Tesla Model X an. In diesem Quartett ist der Stuttgarter um mindestens einige Tausend Euro der günstigste. Daher hat Mercedes nicht nur im Mai 2019 den EQC als erstes Elektro-SUV auf den Markt gebracht, sondern baut Batterien in praktisch jedes Auto ein. So werden die Pkw zum Beispiel zu sogenannten Mild-Hybriden, die nicht elektrisch fahren können, aber durch einen sogenannten integrierten Startergenerator beim Beschleunigen elektrische Energie hinzufügen und beim Abbremsen einen Teil der verloren gehenden Bewegungsenergie in Akkus zwischenspeichern. Das wird nach und nach die Basis aller Mercedes-Motoren sein.

Geplant: Plug-in-Hybrid mit Dieselmotor

Gleichzeitig wird die Plug-in-Hybridflotte ausgebaut, und das interessanteste Fahrzeug ist hier zweifellos der C 300 de, ein Plug-in-Hybrid mit Dieselmotor. Elektro und Diesel sind auch schon bei Volvo und Peugeot/Citroen zusammengeführt worden, große Erfolge wurden damit bislang aber nicht erzielt. Daimler setzt nun auf eine leichte Anhebung der Elektroreichweite (57 Kilometer) und vor allem auf einen optimierten Komfort beim Zuschalten des Dieselmotors.

Der 122 PS starke Elektromotor kann das Auto bis etwa 130 km/h allein antreiben, in der Stadt ruht der Diesel eigentlich immer. Es sei denn, man tritt kräftiger aufs Gas – dann werden aus den rund 300 Newtonmetern, die der E-Motor zur Verfügung stellt, plötzlich bis zu 700. Man sollte die neuen „de“-Modelle von Mercedes jedenfalls genau beobachten – auch natürlich ihre Preisgestaltung. Heute steht ihr Preis noch genauso wenig fest wie der des EQC, teurer als herkömmliche Modelle aber müssen die elektrifizierten Mercedes werden.

S-Klasse als Plug-in-Hybrid

Das zeigt schon ein Blick auf den Preis des neuen S 560 e, einer S-Klasse mit Benzin-Sechszylinder und Plug-in-Hybrid. Während der normale S 500, der auch einen drei Liter großen Sechszylinder hat, an den aber nur ein Mild-Hybridsystem angedockt ist, 103.690 Euro kostet, wird es den S 560 e erst ab knapp 114.320 Euro geben. Damit übertrifft er sogar leicht den Preis des herkömmlichen S 560, der immerhin einen V8 unter der Haube trägt.

Richtig dramatisch wird der Preisaufschlag, wenn man sich einen rein elektrischen Smart zulegen will: Das herkömmliche Basismodell kostet 11.165 Euro, für einen Smart EQ fortwo mit 160 Kilometer Reichweite muss man aber 21.940 Euro investieren, also fast das Doppelte. Dennoch will Daimler ab 2020 europaweit nur noch elektrisch angetriebene Smart verkaufen.

So lautet das Fazit: Elektro-Fortschritt ist auf allen Ebenen möglich, aber er kostet auf allen Ebenen auch (viel) Geld. Stefan Anker/SP-X/Foto: Daimler