Rund 1250 Kilometer legte BEM-Vorstand Markus Emmert mit seinem Skoda Citigo innerhalb von drei Tagen zurück. Seine Reise sowie detaillierte Zahlen und Eindrücke hielt Emmert in seinem Reisebericht fest.


In der KW 10 standen einige wichtige Termin an. Zu den Terminen musste ich relativ viel Gepäck mitnehmen, so dass eine Zugfahrt nicht vorteilhaft und unpraktisch gewesen wäre. Zunächst war klar, dass ich die Reise elektrisch fahren will. Immer wieder heißt es, dass größere Reisen mit einem Elektrofahrzeug schwierig sind, diese nicht planbar seien und es immer wieder zu Schwierigkeiten kommt. Das wollte ich entkräften und sogar noch eines oben drauf setzen. Wer macht schon solch eine Reise mit einem Kleinwagen? Auch hier wollte ich zeigen, dass es geht. Aber es ging mir dabei auch noch um mehr. Nämlich um die Energieeffizienz.

Unter anderem zu mehreren Drehterminen war Markus Emmert mit dem Kleinwagen unterwegs.

Mir geht es um die benötigte Menge an Energie. Ein Kleinwagen verbraucht deutlich weniger. In diesem Fall Energie aus erneuerbaren Energien. Diese ist wertvoll und wichtig. Umso weniger wir brauchen, desto sinnvoller ist es. Dabei geht es mir nicht nur um den CO2-Fußabdruck, der ja bei einem E-Fahrzeug, welches mit „Grünstrom“ fährt im Fahrbetrieb CO2-frei ist, sondern um den Einsatz der benötigten Menge an Energie.

Smartphone-Apps sind ein wichtiger Begleiter bei einer solchen Reise.

Die Ziele und die Terminlage war klar. Also habe ich mir im Vorfeld die Routen auf Google Maps angesehen. Die kürzeste Route kam für mich nicht in Frage, sondern nur die schnellste. Nehmen wir einmal das erste Reiseziel. Dresden. Von Adelsried nach Dresden sind es etwa 450 Kilometer. Danach habe ich mir das Wetter zum Reisezeitpunkt angesehen, da dies einen Einfluss auf die Performance und somit auf die Reichweite hat. Ich habe entschieden, dass ich den ersten Streckenabschnitt entspannt mit zwei Haltepunkten machen werde. Und so habe ich mir die Reise in etwa drei ähnliche Streckenabschnitte eingeteilt, mit einer anderen App (eMobility+ von EnBW) mögliche Ladepunkte angesehen und diese festgelegt. Als Bestandteil der Planung habe ich natürlich auch die Zugänge zur Ladeinfrastruktur bedacht. Meine Zugangsmöglichkeiten auf der Reise waren: ADAC-EnBW-eMobility+ App und Karte, innogy App, IONITY Zugang (webbasiert), Plugsurfing-RFID-Chip, sowie NFC-Payment. Ich wollte einen Bericht machen und somit auch dokumentieren wie planbar eine elektrische Reise ist, wenn man Erfahrungen mit einfließen lässt, so habe ich nicht nur die Routenplanung und Ladepunkte festgelegt, sondern habe im Vorfeld auch berechnet bzw. geschätzt mit welchem Akkustand und Restreichweite ich die jeweiligen Standorte und Ziele erreiche. Diese habe ich festgehalten, um sie mit den Realwerten vergleichen zu können.

Die Witterungsbedingungen waren eher ungünstig. Es war schlechtes und kaltes Wetter vorhergesagt. Auf der gesamten Reise waren Temperaturen von 0°C bis maximal 7°C vorhergesagt sowie teilweise Regen und Schnee. Also auch wieder etwas, von dem viele sagen, dass hier die Elektromobilität schlecht abschneidet und solche Reisen im Winter nicht gehen. Nachdem dies klar war, habe ich unseren kleinen Flitzer an unserer Wallbox vorgeheizt und habe die Reise pünktlich um 10.30 Uhr bei 2°C Außentemperatur ohne Regen angetreten. Der erste Ladehalt war nach 163 Kilometern und 2 Stunden 20 Minuten Fahrtzeit in Lauf an der Pegnitz geplant. Ich schätzte, dass ich dort mit einer Restkapazität von 25 Prozent und einer Restreichweite von 60 Kilometern ankommen würde. Nach 163 Kilometern, 2 Stunden und 5 Minuten Fahrtzeit erreichte ich überpünktlich das erste Etappenziel. Die Restkapazität betrug 37 Prozent mit einer Restreichweite von 110 Kilometer. Die positive Differenz hat überwiegend das Vorheizen des Fahrzeugs und der Batterie ausgemacht. Ich hatte geplant, dass ich nach 40 Minuten Ladezeit und 80 Prozent Batteriekapazität die Reise fortsetzen werde. Auch war geplant, dass ich einen öffentlichen Ladepunkt anfahren werde.

Bei einem Skoda-Händler durfte ich mein Fahrzeug kostenlos aufladen. Fotos: Emmert


50 Meter vor dem öffentlichen Ladepunkt habe ich ein Skoda-Autohaus mit einem Fastcharger entdeckt und dachte mir, dass ich diesen vielleicht auch nutzen könnte? Geparkt, gefragt, geladen. Gar kein Thema. Zwar konnte diese Fastcharger nur maximal 25 kW zur Verfügung stellen, aber ich war gut in der Zeit und wollte nicht früher losfahren, also habe ich dort 45 Minuten bis 80 Prozent geladen und konnte pünktlich abreisen. 15,5 kWh waren es insgesamt. Die Ladung hätte ich sogar geschenkt bekommen, habe aber 5 Euro in die Kaffeekasse gesteckt.

Der Reisbericht von Markus Emmert mit allen Zahlen, Daten und Fakten ist hier in voller Länge downloadbar.

Durch eine gute Vorbereitung, mit der entsprechenden Erfahrung, mit Gelassenheit und mit Vertrauen ist eine Strecke von über 1000 Kilometern mehr als leistbar. Aber ich habe auch einige andere Storys erlebt, welche ich gerne schildern möchte, was ich auf dieser Strecke an den Ladepunkten erlebt habe. Viele sind eben nicht vorbereitet. So hatte ich zwei Fälle an einem Ladepunkt, welche schlichtweg den falschen Zugang hatten und somit nicht laden konnten. Einer wusste sogar nicht einmal, dass man dafür einen Zugang braucht. Ich für mich kann eines sagen: Ich hatte keinen einzigen Ausfall, alle Ladepunk-te haben funktioniert und überall konnte ich den Zugang herstellen. An einem Ladepunkt entsprach die abgegebene Ladeleistung (20 kW) nicht der Ladeleistung (50 kW), wie vereinbart. Auf der gesamten Wegstrecke hatte ich einen Durchschnittsverbrauch von etwa 13 kWh. Ein größeres Fahrzeug hätte mindestens doppelt so viel verbraucht. Somit war nicht nur mein CO2-Fußabdruck optimal, sondern auch die Energieeffizienz. Nur schade, dass das nicht bewertet wird. Mir ist bewusst, dass schon viele vergleichbare Reisen unternommen haben und zu einem ähnlichen Ergebnis kamen. Doch was mir wichtig ist, dass die, welche die Gesetzgebung aktiv mitgestalten diesen Erfahrungsschatz teilen. Wir gehören dazu. Wir wissen, wovon wir reden und bringen unsere Erfahrungen aus der Praxis mit ein. Aus der Praxis für die Praxis. Das ist das, was uns von den anderen unterscheidet. Ich wünsche mir, dass ein Scheuer, Altmaier, Merkel und Co. sowie künftige Regierungsverantwortliche genau solch einen Erfahrungstest selbst machen und sich gemeinsam mit uns auf eine CO2-freie und effiziente Reise begeben. NM/Titelfoto: Emmert